Pro Equo BW - Auszug aus meiner Bittschrift, doch wieder ist niemand zuständig!

Auszug aus meiner Bittschrift, doch wieder ist niemand zuständig!

Im Grunde habe ich aufgegeben, Tierschutzwidrigkeiten zu melden, bzw. vermeide ich es, Reitveranstaltungen oder fremde Ställe aufzusuchen. Jedoch zwang mich die Suche nach einem geeigneten Schulpony wieder in einen fremden Stall. Obwohl es ein schön gelegener Aussiedlerhof war, fiel mir schon beim Heranfahren an den Hof auf, dass keinerlei Koppeln vorhanden waren. Im Stallgebäude standen aber Stuten mit Fohlen bei Fuß, Absetzer, Jährlinge etc. Ich fragte eine junge Frau, die selbst ein Pferd bei dem Landwirt stehen hat, wo denn die Koppeln für die ca. 15 Fohlen seien. Etwas beschämt gab sie mir zur Antwort, wir haben keine Koppeln. Sie zeigte uns auch den Vater der „Massenzüchtung“, „Rhodos“ in aller Züchterwelt bekannt, stand erbarmungsvoll in der hintersten dunklen Boxe, abgeschirmt, ohne jeden Lebensfunke sein Dasein fristend. Ein Bild des Jammers!
In einem anderen Stalltrakt ( kurze Seite in der Reithalle) standen Pferde mit Verletzungen an der Fesselbeuge, die zum Teil starke Phlegmonen mit sich zogen. (Was ich im Nachhinein äußerst seltsam finde, ist, dass mehrere Pferde ähnliche Verletzungen aufwiesen!) Wir fuhren unverrichteter Dinge nach Hause, ( eine Reitschülerin und zwei Pferdebesitzerinnen die bei der Auswahl des Ponys helfen wollten.) Nach langem betroffenen Schweigen wurde überlegt, wie man den Pferden helfen könnte.
Ich schaltete Herrn Spöcker, den Amtstierarzt von Ludwigsburg, ein. Dieser gab mir zu verstehen, dass man Fohlen auch spazieren führen oder in der vorhandenen Reithalle laufen lassen könnte. Auf diese unverfrorene und inkompetente Antwort von Herrn Spöcker verlangte ich seine Kollegin zu sprechen. Und siehe da, gegen den Landwirt lief ein Verfahren wegen Tierquälerei in Bezug auf die Schweine -und Hundehaltung. Die Schweine -und Hundehaltung wurde ihm auch untersagt! Doch was war mit den Pferden!
Die Pferde seien in eingestreuten Boxen untergebracht und der Futterzustand der Tiere sei ausreichend. (Mir persönlich fiel eine Stute mit Fohlen bei Fuß auf, die bis auf die Rippen abgemagert war.) Die Amtstierärztin versprach mir, sich der Sache anzunehmen. Etwas ungläubig , aber erleichtert überhaupt etwas bewegt zu haben, bedankte ich mich und wir beendeten das Gespräch. (Dieser Vorfall ereignete sich ca. 1998)

Tierschutz im Pferdesport ist und bleibt ein Schlagwort, solange solche gravierenden Zustände in der Pferdehaltung und Pferdezucht aus Bequemlichkeit vertuscht und unter den Teppich gekehrt werden.
Leider dürfen Amtstierärzte keine Auskunft geben, welche Maßnahmen ergriffen wurden, da sie der Schweigepflicht unterliegen. Das heißt, man müsste selbst ständig den Hof besuchen und nachschauen, ob sich was geändert hat. Dies ist oft nicht möglich, da es wie in diesem Fall, mit einer langen Anfahrt verbunden ist, und der Landwirt auch bestimmt nicht erfreut wäre, wenn man bei ihm herumspioniert. Am Ende seiner Bemühungen bleibt man mit seinen nächtlichen Alpträumen im Ungewissen, ob sich an der Pferdehaltung etwas geändert hat.

Ich denke, Reiter und Pferdehalter haben das Recht zu erfahren, dass z.B. dieser Stall nicht geeignet ist, um seine Stute zum Decken oder sein Pferd in Pension zu geben. Und jeder Mensch, dem das Wohl der Pferde am Herzen liegt, hat das Recht zu erfahren, welche Maßnahmen zum Schutz der Tiere ergriffen wurden. Denn nur so kann man entscheiden, ob man selbst weitere Maßnahmen ergreifen muss, um den Tieren zu helfen.
Wenn man gravierende Missstände öffentlich machen würde, und diese in den einschlägigen Pferdesportzeitungen verfolgen würde, würden sich manche Reiter und Stallbesitzer mehr anstrengen, den Pferden gerecht zu werden.

In internen Tierschutzheften findet man öfter mal einen Bericht über schlechte Tierhaltung , Barraffären u. ä. Hier wird außer den Tieren auch keiner geschützt, den Berichten sind meist die Namen der Verursacher und Bilder von den Stallungen etc. zu entnehmen. Leider hat die Vereinszeitschrift nicht die Auflagenfläche und den Wirkungsgrad bei Reitern, wie es mehrere Reitsportfachzeitungen haben.
Warum kann man in den einschlägigen Reitsportzeitungen keine Tierschutzseite einrichten,
in denen der Werdegang eines gravierenden Vergehen kommentiert wird?
Warum kann ein Tierschutzbeauftragter von der LK oder der FN sich nicht, zusammen mit dem Amtstierarzt, der Sache annehmen?
Warum muss man erst durch unzählige Telefonate herausfinden, wer wofür, wann zuständig ist? Es kommt mir manchmal wie ein Dschungel vor, mit vielen Nischen zum Versteck spielen und ständig ruft einer „wir sind nicht zuständig“!
Nun für die Haltungsbedingungen sind die Veterinärämter des jeweiligen Landkreises zuständig. Das heißt, nur diese sind befugt, den Pferdbesitzer bei schlechten Haltungsbedingungen anzusprechen, und gegebenenfalls eine Änderung der Haltungsbedingung zu fordern. ( Eine Anzeige bei der Polizei, geht auch nur zum Veterinäramt weiter) Erst bei absolut gravierenden Tierschutzvergehen werden die Tiere beschlagnahmt. Dies tritt aber sehr selten ein, da man gar nicht wüsste, wo man die Pferde unterbringen sollte. Auch sind nicht alle Veterinärämter gleich engagiert, wie der Fall Ehrenberg deutlich zeigt. Bleibt das Veterinäramt untätig oder werden nur geringfügige Auflagen erteilt, die für das Wohl des Pferdes nicht ausreichen, ist der nächste Schritt eine Klage beim Gericht. Ein einzelner Bürger wird sich aber hüten, diesen Schritt zu gehen. Also versucht man es über die großen Tierschutzverbände, die eher über finanzielle Mittel verfügen und Rechtsanwälte in ihrer Mitte haben. Aber auch diese können sich nur sehr gravierenden Fälle annehmen, da sie überlastet sind. Und obwohl man diesen Fall vor Gericht gebracht hat, darf er weiterhin noch dreißig Pferde behalten.

Wenn wir ein besseres System im Pferdeschutz aufbauen würden, könnten solche Zustände und solche Gerichtsurteile nicht mehr stattfinden.
Ein Tierschutzbeauftragter für Pferde, der sich auch Verstößen annimmt, die zwar offensichtlich sind, aber von den Veterinärämtern mit der Begründung, hier fehlen die Beweise, nicht verfolgt werden.
z.B. wenn der Pferdebesitzer: den Pferden nur schlechte und unzureichende Unterbringung gewährleistet, die Pferde einige Wochen nicht bewegt, die Pferde im Sommer in der Gluthitze ohne Rückzugsmöglichkeit auf die Koppel stellt, die Pferde aus Unwissenheit überbeansprucht, u.s.w.
Sie kennen bestimmt selbst einige Reiter, bei denen Sie denken, dies wäre ein Fall für einen Tierschutzbeauftragten. Eine Person die befugt ist, den Reiter auf seine Fehler aufmerksam zu machen und somit versucht die Situation für das Pferd erträglicher zu machen.

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