Pro Equo BW - Der letzte gemeinsame Weg

Der letzte gemeinsame Weg

Für jeden Pferdebesitzer stellt sich einmal die Frage, was tun wenn...
Das ist bestimmt auch für sie ein unangenehmes und trauriges Thema, aber wir alle müssen uns einmal von unseren Pferden trennen. Für das Pferd macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob es vom Metzger oder dem Tierarzt getötet wird. Seit der Einführung des Equidenpasses müssen sie sich nun vorher Gedanken machen. Unter Arzneimittelbehandlung steht:
Der Unterzeichnete, der Besitzer des Equiden (Pferd) erklärt, dass das in diesem Dokument beschriebene Tier nicht zu Schlachtung bestimmt ist.
Im nächsten Absatz steht: Der Unterzeichnete, der Besitzer des Equiden (Pferd) erklärt, dass das in diesem Dokument beschriebene Tier zur Schlachtung bestimmt ist.
Hat das Pferd noch keinen Pferdepass so müssen sie sich nun überlegen, wo sie das Kreuzchen machen. Wenn sie sich für „nicht zur Schlachtung“ entscheiden, so können sie es nicht rückgängig machen und müssen ihr Pferd später vom Tierarzt einschläfern lassen. Bei „zur Schlachtung“ bestimmt, können sie es später dennoch einschläfern lassen. Mir ist gerade beim Durchblättern meiner Pferdepässe aufgefallen, dass mein Shetty nicht zur Schlachtung und mein Deutsches Reitpony zur Schlachtung freigegeben ist. Damals war die Überlegung, dass, wenn ich meine Schulpferde verkaufen muss, sie unter keinen Umständen auf einem Schlachttiertransport landen sollen, oder beim Schlachter durch die Hintertür weiter an einen Tatersalbetrieb verkauft werden. Damit möchte ich dem Käufer meiner Pferde gar nichts unterstellen, es liegt eher daran, dass man zum einen mit dem Tod nicht in Berührung kommen möchte und es dem Metzger arglos abholen lässt und zum anderen wissen viele Reiter einfach nicht, dass es auch unter den Metzgern seriöse und weniger seriöse Menschen gibt.
Wenn es also so weit ist, vereinbaren sie einen Termin mit dem Metzger und fahren mit einem guten Freund, ihr Pferd selbst zum Schlachthof. In der Reiterszene spricht sich auch schnell herum, welcher Metzger „ein Herz für Pferde“ hat und die Pferde ruhig und gezielt „tötet“, und gleichzeitig die Trauer und den Schock des Pferdehalters nachvollziehen kann. Auch wenn er sie nicht in den Arm nehmen wird, so wird er sie doch bitten ,nach dem Fallen des Pferdes den Raum zu verlassen, damit sie die weiteren Schritte (Ausbluten lassen) nicht mit anschauen müssen. Leider gibt es auch weniger feinfühlige Metzger. Eins meiner Schulpferde musste zum Metzger gebracht werden, und da ich mich in dieser Region erst niedergelassen hatte, habe ich mir von einer Bekannten einen Metzger in der Nähe (soviel Auswahl gibt es nicht) nennen lassen. Meine Bekannte hat sich auch bereit erklärt, das Pferd hinzufahren und dabei zubleiben. Als sie nach 2 Stunden zurückkam, war sie immer noch kreide bleich. Sie erzählte, dass das Pferd anstandslos mitgegangen sei und alles reibungslos verlief . Und wie sie gerade gehen wollte, stand der Metzger mit dem Kopf des Pferdes da. „Dieses Bild werde ich nie vergessen“. Auch mir geht dieses Bild, obwohl ich es selbst nicht erlebt habe und es mir nur bildlich vorstellen kann nicht mehr aus dem Kopf. Es tut mir für meine Bekannte sehr leid das sie dies miterleben musste. Sie sehen nicht jeder Metzger denkt bei seiner Arbeit, die ich aus fachmännischer Sicht nicht beurteilen kann, noch an den Pferdebesitzer.
Im nachhinein ärgert es mich, dass ich nicht den wohl weiteren, aber besseren Weg zu Herrn Beerwart nach Waiblingen genommen habe. Nun möchte ich noch kurz auf den Bolzenschußapparat eingehen. Der Bolzenschußapperat ist cirka 2 Kilogramm schwer und wird auf der Stirn des Pferdes plaziert. Der Bolzen trifft in das aufsteigende retikuläre System, den Hinterteil, an dem sich Großhirn, Kleinhirn und das Rückenmark schneiden. Der Bolzenschuss bewirkt Druckschwankungen, eine Gehirnerschütterung und die gleichzeitige Zerstörung des Hirns. Obwohl er das Bewusstsein des Pferdes in Bruchteilen von Sekunden ausschaltet (das Pferd fällt hierbei wie vom Blitz getroffen auf den Boden), ist das Tier nicht augenblicklich tot. Es stirbt erst durch das Entbluten, nachdem der Schlachter ihm die Halsschlagader geöffnet hat. Spätestens hier sollten sie den Schlachtraum verlassen.

Einschläfern

Von Tierärzten wird auch der Begriff „Euthanasie“ verwendet.
Sofern es sich nicht um einen Notfall (gebrochenes Bein) handelt muss man noch einige Dinge erledigen.
Zuerst sollte der Hufschmied die Hufeisen entfernen, das ist notwendig .
Dann sollten sie den Tierarzttermin mit dem der Abholung durch die Tierkörperbeseitigung so organisieren dass diese wenn möglich das Pferd noch am selben Tag abholen.
Auch zum Einschläfern stellt man das Pferd ins Freie, um zum Einen die mit der Enge der Box verbundenen Risiken des stürzenden Körpers zu reduzieren, und zum Anderen, damit der Tierkörperbeseitigungswagen das Pferd leicht erreichen kann. Für die geplante Euthanasie sollte deshalb eine ebene, trockene Koppel, in die ein Lkw fahren kann, oder die Reithalle bzw. Reitplatz oder ein sonst befestigter Platz gewählt werden. Außer auf die Befahrbarkeit durch den Lkw, ist darauf zu achten, dass größtmögliche Abgeschiedenheit gewährleistet ist. Einblick durch andere Pferde und Hunde ist auszuschließen, um Störungen bzw. Beunruhigung des Pferdes zu vermeiden. Man sollte auch vermeiden, dass Spaziergänger oder Reitschüler aus Versehen dem Geschehen beiwohnen.
Der Tierarzt injiziert die erforderlichen Medikamente nicht über eine normale Nadel in die Vene, sondern legt einen Venenkatheter, eine Braunüle. Diese liegt sicher und fest und damit wird weitgehend verhindert, dass die Nadel aus der Vene gleitet, wenn erst ein Teil der erforderlichen Menge injziert ist, was fatale Folgen hätte.
Innerhalb weniger Bruchteile von Sekunden bricht das Pferd zusammen . Die Atmung kommt zum Stillstand und binnen zweier Minuten versagt der Herzmuskel aufgrund der Unterversorgung mit Sauerstoff. Der Tierarzt überzeugt sich durch Abhören vom Herzstillstand und bestätigt den Tod des Tieres.
Es gibt mehrere Möglichkeiten der medikamentösen Tötung, unter anderem ist auch eine hohe Dosis des Euthanasiemittels extrem wichtig, lassen sie sich von ihrem Tierarzt (Fachtierarzt für Pferde) ausführlich beraten und sprechen sie die Einzelheiten vorher mit ihm durch.
Den Abtransport des Tierkörpers übernimmt die regional zuständige Tierkörperverwertungsanstalt. Die dort Beschäftigten sind von der herben Herzlichkeit, die sie brauchen, um ihre wenig erfreuliche Arbeit tun zu können. Entsprechend erfordert es einiges Verhandlungsgeschick und gute Nerven, um den Termin und die Uhrzeit im voraus zu vereinbaren. Ebenso schwer ist es zu ertragen, wenn der Fahrer schon ungeduldig auf dem Hof steht, während das Pferd noch lebt, wie es belastet, wenn der Tierkörper noch tagelang daliegt, bevor er abtransportiert wird, (Denken sie daran, die Tierkörperverwertungsanstalt ist eine staatliche Einrichtung mit festen Öffnungszeiten).Wenn der Mitarbeiter der Tierkörperverwertungsanstalt vorfährt sollten sie ihm nur den Weg zum Tierkörper zeigen, alles andere kann er ohne ihre Mithilfe erledigen.
(- Gehen sie einfach weg! -)
Auch wenn sie ihr Pferd weder dem Metzger noch dem Abdecker mitgeben wollen, so müssen wir dennoch eine Entscheidung treffen, und wir haben leider nur diese zwei absolut inhumanen Möglichkeiten, es gibt leider keine andere. Pferde, mit denen wir jahrelang, durch Höhen und Tiefen gegangen sind, die uns über manch anderen schweren Verlust hinweggeholfen haben, die uns Freude gebracht haben, werden innerhalb von Sekunden vom unersetzbaren Freund zur Ware, zu Fleisch . Alle Fürsorge, alle Pflege ist innerhalb von Sekunden vergessen, wenn der leblose Körper über den Boden gezogen wird. Ja, es zerbricht einem das Herz , wenn man sein Pferd nicht beerdigen darf. Aber so ist es nun einmal. In Bayern gibt es ein Grematorium für Pferde, aber dort wird das Pferd vorher zersägt weil es sonst nicht in den Ofen ging. Leuchtet auch ein, aber ob das besser ist?
Auch wenn es utopisch ist, wäre ein Friedhof für Pferde doch ganz schön. Und bis das soweit ist, begleiten sie ihr Pferd in den Tod und denken sie nicht weiter darüber nach, was mit dem Tierkörper wird, es ist nur noch ein Stück Fleisch. Alle anderen Gedanken werden ihnen den Schlaf rauben und ändern können sie es doch nicht.