Pro Equo BW - Springsport

Springsport

Horst Stern bemerkte sehr treffend: „Die Anatomie dieser Lauftiere scheint gerade gemacht zu sein, um mit den Beinen auf der Erde zu bleiben: ein kurzer, starrer Rücken, Sprunggelenke, die hoch über dem Boden sitzen, wenig nachgiebige Beine und ein schlechtes Schätzvermögen der Augen.“ Beobachten wir das Pferd einmal auf seinen Körperbau und sein starres Skelett, so fällt auf, das Pferde weder gewandte Kletterer und schon gar nicht zum Springen von Hindernissen jeglicher Art geschaffen sind. Pferde sind eben nun mal Lauf -und Steppentiere, die einzige Waffe des Pferdes, wie der meisten Pflanzenfresser, ist seine Schnelligkeit in der Flucht. Es gibt bis auf den heutigen Tag (schreibt Horst Stern) keine mir bekannte Antwort in der hippologischen Fachliteratur auf die noch naheliegende Frage, warum wohl die Evolution der Pferde in 50 Millionen Jahren eine nur armselig zu nennende Sehleistung hervorbrachte, wenn diesen Grasfressern das Überspringen hoher Hindernisse als natürliche Bewegungsweise zugedacht wäre. Die Pferdeaugen sind die Augen eines vor allem nach hinten wachsamen Weidegängers. Mit dem Kopf grasend zwischen den Vorderbeinen, haben diese Tiere eine jede Bewegung wahrnehmende Rundumsicht von annähernd 300°, die sie leicht durch minimale Kopfbewegungen zum Vollkreis erweitern können. Mit dem Kopf zwischen Zügel und Martingal eingekeilt, dann sieht das Pferd weder Absprung noch Hindernis, noch Aufsprung. Daraus erklären sich, insbesondere bei wenig routinierten Pferden, die unsicheren Absprünge mit oft nachfolgendem Kleinholz, bei denen es, wie die Fernsehkommentatoren in solchen Fällen dann zu sagen pflegen, „Nicht gepasst“ hat. Und nicht selten zieht dann der Reiter dem Pferd zur Strafe für seine eigene Ignoranz die Peitsche über die Flanken. Springlehrer wissen, dass man junge Pferde „sehen“ lehren muss; sie stolpern oft genug über ganz niedrige Bodenricks –eine höchst ungewöhnliche Sache für ein Tier, bei dem das Springen zum normalen Bewegungsinventar gehören würde.
(schreibt Horst Stern in seinem Buch „Bemerkungen über Pferd“)

Ich selbst konnte oft genug beobachten, wie Pferde die angerittenen Sprünge verweigerten, weil ihre Reiter sie nicht energisch und zielbewusst ans Hindernis heranritten. Auch die meisten Koppelzäune weisen kaum eine Höhe von 1.50m auf, und doch springen selbst routinierte Springpferde, selbst in Paniksituation nicht über den Zaun. Vor allem im Sommer, wenn die Tiere durch Hitze und Schwärme von Bremsen entnervt und Wut stampfend am Zaun auf und ab traben, überspringen die Pferde nicht die Holzstangen am Ausgang, sondern drücken bzw. durchbrechen die Stangen mit ihrer Brust, indem sie sich mit aller Kraft dagegen lehnen. Oder sie schieben die Stangen mit dem Hals (Mähnenkamm) solange hin und her bis die oberste Stange fällt und sie die untere Stange übersteigen können. Aus diesem Grund ist auch immer mehr der zusätzliche E-Zaun in Mode gekommen. Aber warum springt das Pferd dennoch über Hindernisse? Springen Pferde nur aus Angst? Diese Frage kann ihnen Horst Stern in seinem Buch „Bemerkungen über Pferde“ schildern.

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