Pro Equo BW - „Je höher die Mauer, desto besser die Kasse!“

„Je höher die Mauer, desto besser die Kasse!“

Von einem Pferd, das zur Weltmeisterschaft gemeldet wird, werden 99 Sprünge gefordert, davon 59 in den drei Qualifikationsprüfungen an drei aufeinanderfolgenden Tagen und- nach zwei Ruhetagen- an einem einzigen Tag im Finale weitere 40 Sprünge, nicht mitgerechnet die sechs Sprünge im Stechen der puissance speziale, einem Mächtigkeitsspringen am zweiten Tag, und die Sprünge der CHIO - Prüfungen. Schon bei einem weit harmloseren Turnier, 1968 in Frankfurt, demonstrierte das Publikum nach dem fünften Stechen lautstark für die Schonung der Pferde. Eine Seltenheit freilich auf deutschen Turnierplätzen, wo der Beifall gemeinhin auch dem übelsten Maulreißer von Reiter noch hinterdreinprasselt, wenn es nur aus dem Lautsprecher klingelt: “Null Fehler...“

Was indessen die Akrobaten des Springsports echt gefährlich macht, das ist der Leistungsmaßstab, den sie mit ihren aus der Pferdeart geschlagenen Springkanonen der breiten Masse der Springreiter für den Hausgebrauch setzen. Wenn der Donald Rex Alwin Schockemöhles zwei Meter springt wie einen Gartenzaun, dann, so sagen sich Reiter Hinz und Reiter Kunz, müssen unsere Gäule, die doch auch Geld gekostet haben, wenigstens einssechzig schaffen. Und was diesen unglücklichen Pferden in der Hand von gewissenlosen Provinz-Ehrgeizlingen dann bis zu dieser Marke fehlt, das wird mit Sporn und Peitsche angeschafft. Josef Neckarmann:“ Es werden Cracks kopiert, deren individueller Stil den Nachwuchsreiter mehr von der klassischen Reitweise entfernt als hinführt.“
Wenn diese unreifen Gentlemen sich nicht scheuen, ihren unreifen, den Sprung verweigernden Pferden auf dem Abreitplatz, vor den Augen der Turniergäste, die Peitsche über Kopf und Kruppe zu ziehen oder sie cholerisch im Maul zu reißen, wie das gar nicht so selten zu beobachten ist, dann ist die Frage erlaubt, was sie mit ihren Tieren erst zu Hause, in der Abgeschiedenheit der privaten Reitbahn machen.
Aus: („Bemerkungen über Pferde“ von Horst Stern)

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