Pro Equo BW - Pferdeflüsterer

Pferdeflüsterer

Auch wenn es schon eine Weile her ist, dass der Film "Der Pferdeflüsterer" im Kino zu sehen war, so ist er doch regelmäßig im Fernsehen zu sehen.
Nicht nur, dass der Film im Allgemeinen kritisch hinterfragt werden sollte, sollte man zum Wohl der Pferde die Öffentlichkeit darüber aufklären, dass man auf diese Weise Pferde nicht von Traumen kurieren kann und wir andere Ausbildungsmethoden bevorzugen. Ich kann mir gut vorstellen, dass manch ein Anhänger der neuen Ausbildungsmethoden, seinem Pferd nun auch noch das Bein hoch bindet und damit im sogenannten Round Pen herumjagt. Sie können sich nicht vorstellen, dass jemand so einen Unsinn nachmacht und die Gesundheit seines Pferdes gefährdet? Ich schon! Zumal man es ja auch für den Film getan hat.

Auch hier haben sich weder die FN noch die FEI eingeschaltet, um diesen gravierenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu ahnden. Zumindest war in den einschlägigen Pferdefachschriften, soweit mir bekannt, nichts zu lesen.

Es ist sicherlich ein richtiger und wichtiger Ansatz, die Pferde vom Boden aus zu erziehen und ihnen Respekt vor dem Menschen beizubringen. ( Denn nichts anderes, erreichen die "Gurus" durch das Wegschicken des Pferde bzw. Rückwärtsrichten.) Dagegen spricht auch nichts, wenn man es als das annimmt, was es ist. Korrekturarbeit! Nur sollte diese, wie auch bei den konventionellen Methoden, nur zur Korrektur Anwendung finden. Die Worte Freundschaft, Spiele, Vertrauen haben hierbei doch eher eine zynische Bedeutung. Den Anhängern dieser neuen Methode, kommt diese Wortwahl sehr gelegen, dürfen sie nun doch täglich ihre Pferde durch Machtspiele, die bis zu einer Stunde und länger dauern, Macht auf ihr Pferd ausüben. Die Macht, die sie durch ihr unzureichendes reiterliches Können auf dem Pferd, endlich kompensieren können. Vor Kurzem sah ich bei einer Pat Parelli Reitstunde zu. Hier wurden die Pferde wirklich eine Stunde lang rückwärts gerichtet. Eine Stunde lang! Die Pferde (verschiedene Rassen) machten allesamt einen traurigen, in sich gekehrten Eindruck. Und ich möchte fast behaupten, dass keiner der Teilnehmer eine fundierte Reitausbildung genossen hat. Die Krönung des Wahnsinns ist für mich aber das Video von GaWaNi Pony Boy Horse,Follow Closley . In diesem Video wird ein, meiner Meinung nach, altes und altgedientes plattes Pony, herumgejagt bis es klatschnass ist. Es ist mir unverständlich, dass die "Reiter" sich nicht zuerst reiterlich besser ausbilden lassen, bevor sie sich ein Pferd zulegen.
Dazu müsste aber wieder eine umfassendere Ausbildung in den Reitvereinen und Reitschulen angeboten werden.
Zum Glück gibt es noch andere Ausbilder die meine Meinung teilen.

(Hierzu eine Zusammenfassung aus einem Bericht von Herrn Beck Ausbilder in Neuseeland.)

Pferd und Dominanz

Eine sehr wichtige Feststellung ist, dass Dominanz bei Pferden garantiert nicht zu dem Zweck eingesetzt wird um Freundschaft und Bündnisse fürs Leben zu schließen!
Dominanz ist auch nicht nötig um einen Führungsrang zu erhalten.. Pferde selbst werden Dominanz und körperliche Gewalt niemals einsetzen, wenn es darum geht , irgendwas zu lehren oder zu lernen. Jungtiere lernen ausschließlich über Beobachtung und Gruppenbeeinflussung.. Das Treiben womit ein ranghöheres Pferd ein anderes in die Flucht schlägt, hat nur einen einzigen Grund: den, ein anderes Pferd aus der Gruppe auszustoßen oder es an die Peripherie der Gruppe abzudrängen und ihm die Sicherheit und die Annehmlichkeit eines Lebens in der Mitte der Gruppe zu versagen.
Wenn wir über das von "Trainern" gebrauchte Dominanzverhalten sprechen, macht es nämlich wenig Sinn ein Pferd in einem "Round - Pen" dem angeblich natürlichen Erleben
von Ausgestoßenwerden beim "Treiben" auszusetzen und durch eine Einzäunung genau dies gleichzeitig zu verhindern! Bei einer solchen Vorgehensweise kann es zur Verwirrung bis hin zur möglicherweise tiefem Trauma und gar Panik beim Pferd auftreten. Und mit der Zeit, das Widerrum hängt von der Willensstärke des einzelnen Pferdes ab, wird das Resultat erlernte Hilflosigkeit und innere Leere die Folge sein. Zeigen Pferde im Round - Pen das Leerkauen, so können wir tatsächlich daraus schließen, dies sei die Körpersprache für "ich bin klein, tu mir nichts" - und wir könnten diesen Schluss auch ruhig ein wenig weiter ziehen, indem wir behaupten, das Pferd würde damit unseren höheren Rang und unsere Überlegenheit akzeptieren. Doch Leerkauen als Unterlegenheitsgebärde ist ein Verhalten, das Pferde ausschließlich untereinander zeigen, dieses Verhalten wird nicht in der Beziehung Mensch-Pferd gezeigt. Aber: Leerkauen, Kopf senken ist- wissenschaftlich nachgewiesen- auch Anzeichen für Stress bei Pferden. Zur Begründung von "Dominanzstrategien" wird das Argument gebraucht: das Pferd würde damit den Menschen als höher stehendes Pferd anerkennen. Werden Pferde wirklich für so dumm gehalten, dass man ihnen unterstellt, das sie Menschen mit einem Pferd verwechseln? Wenn wir ein Pferd wirklich dazu veranlassen wollen, uns zu vertauen und uns zu akzeptieren , dann sollten wir uns wie eine Leitstute verhalten, indem wir unseren hohen Rang mit vorhersehbaren Verhalten, ausgeglichener Ruhe und Selbstdisziplin signalisieren. (Quelle: Bericht Herr Beck Neuseeland)

<< Grundsätzliches für die Ausbildung |