Pro Equo BW - Grundsätzliches für die Ausbildung

Grundsätzliches für die Ausbildung

Der Reiter soll dem Instinkt des Pferdes Gelegenheit zur Betätigung geben, ihn aber nicht in mechanisierter Tretmühle töten. Besinnungslos stürmende Pferde haben den Verstand nicht mehr beisammen. Bei manchen wird sogar das Springen zur Manie, sie lassen sich davon nicht mehr abhalten, wenn ein Hindernis vor ihnen auftaucht. Sie sind in ihrem Irresein mit jenen armseligen fehlgeleiteten Hunden zu vergleichen, deren ganzes Trachten dahingeht, Steinchen zu apportieren. Die unnatürlichste Methode kann aber nur dort Boden gewinnen, wo es kein freies Gelände gibt. Das traurigste Schicksal, das ein dreijähriges Reitpferd haben kann, ist, einem naturfremden Menschen in die Hand gegeben zu werden, der die Ausbildung mit disziplinierten Tritten einleitet, damit er es für den Verkauf fertig macht. Während seine gleichaltrigen Artgenossen unter nicht angekränkelter Landjugend mutig über die Felder galoppierend stark werden und die Welt kennen lernen, kommt so ein unbefangenes Tierkind vierzig Minuten am Tag aus seiner Boxe. Aber nicht etwa, damit es die steif gestandenen Glieder in befreiender Bewegung lockern dürfte, sondern es geht an der Wand entlang gegen die andere Wand, jede Ecke beraubt es der Möglichkeit, sich zu dehnen und erstickt den Versuch, sich halbwegs balancierend mit dem Reitergewicht abzufinden. Selbst wenn dieses Pferd sich gelegentlich zwischen den gehassten Wänden frei ausbuckeln darf, schreitet die Verblödung und die Verzweiflung über den ihm angetanen Zwang unaufhaltsam fort. Die Arbeit wird zur Frohn wie am Göpelwerk und zerbricht die Pferde seelisch und körperlich. Die niemals bis zur Ermüdung beanspruchten Muskeln wachsen nicht und werden nicht stärker, dafür werden die Knochen und Gelenke über Gebühr mechanisch beansprucht und auch geschädigt. Solche Pferde können bewegungsunlustig bis zur Resistenz werden, je nach Veranlagung fett oder müde verfallen. Und wenn doch einmal für sie der Tag kommt, an dem sie herauskommen und staunend die Freiheit ahnen, dann geschieht das große Unglück, an dem der Reiter oder das freudetrunkene, aber unerfahrene Pferd zu Schaden kommt.

Und die Moral: Wer nicht Zeit oder Mut hat, mit jungen Pferden Jagd zu reiten, der soll sie denen geben, die es gern tun. Nur im Gelände bekommen sie Kraft, Verstand und Freude an der Arbeit mit dem Menschen.
Aus: (Vollendete Reitkunst von Udo Bürger)

Herr Bürger meint hier bestimmt nicht das Reiten einer Jagd im herkömmlichen Sinne. Vielmehr möchte er die Reiter dazu bewegen ihre Pferde auch im Gelände zu reiten.
Obwohl wir nach dem heutigen Wissensstand, über Lahmheiten, Muskelverspannungen, Verhaltensauffälligkeiten (auch unter dem Sattel) bei Pferden mehr wissen, sind wir immer noch nicht bereit, diesen Rechnung zu tragen.

Der Großteil der Pferde wird nach wie vor nicht oder nur selten im Gelände geritten.
Man wird nicht gleich zum "Freizeitreiter", wenn man den Ausritt in seinen wöchentlichen Trainingsplan mit einbezieht. Im Gegenteil, er ist ein fester Bestandteil der Ausbildung.

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