Pro Equo BW - Wohngebiet des Pferdes

Wohngebiet des Pferdes

Vergleicht man die beträchtlichen Größenunterschiede der Streifgebiete verschiedener freilebender Pferdegruppen, so kann man davon ausgehen, dass auch ein vergleichsweise kleines Gehege (Weide, Auslauf, Box) für Hauspferde einen angemessenen Lebensraum darstellen kann, vorausgesetzt es enthält alle wichtigen Fixpunkte und Ressourcen. Die Beobachtung, dass unter Freilandbedingungen die Gruppengröße keinen so großen Einfluss auf die Größe des Streifgebietes zu haben scheint, darf aber nicht zu dem Trugschluss verleiten, man könne beliebig viele Pferde auf einer Weide zusammenstellen. Hierbei müssen noch verschiedene andere Punkte berücksichtigt werden, unter anderem die Gruppenzusammensetzung oder die fehlenden Ausweichmöglichkeiten für rangniedere Tiere, die in der Natur bei Bedarf aus der Gruppe abwandern könnten. Selbst sehr große Weiden reichen unter Umständen nicht aus, wenn sich zwei Pferde überhaupt nicht vertragen. Sie müssen meist ganz voneinander getrennt werden. Jedem Gruppenmitglied muss es stets möglich sein, die von Tier zu Tier unterschiedliche und von der Situation abhängige Individualdistanz zu allen anderen Gruppenmitgliedern einzuhalten. Außerdem muss bei der Haltung das Bewegungsbedürfnis und der Bewegungsbedarf der Pferde berücksichtigt werden. Das Bewegungsbedürfnis wird stark von äußeren Reizen oder dem "Zwang" sich fortzubewegen bestimmt. Es nimmt z.B. bei Vorhandensein von Spielgefährten oder bei großen Distanzen zwischen Tränke, Freß -und Ruheplätzen zu. Bei mangelndem Reizangebot oder dem Fehlen von "Zwängen" kann das Bewegungsbedürfnis eines Pferdes aber gering sein. Der "Bewegungsbedarf", der für die Gesunderhaltung des Bewegungsapparates und anderer Körperfunktionen notwendig ist, bleibt jedoch unverändert. Durch sinnvolle Nutzung des Pferdes kann und sollte der Bewegungsbedarf ausgeglichen werden. Ein weiterer Unterschied zwischen dem Lebensraum freilebender Pferde und dem vieler Pferde in menschlicher Obhut ist die relative Reizarmut und Eintönigkeit der Umgebung. Das gilt besonders bei überwiegender Boxenhaltung, bei der die Pferde von vielen Umwelteinflüssen abgeschirmt werden. Die Reizarmut und die daraus resultierende "Langeweile" können die Entstehung von "Verhaltensstörungen" bzw. unerwünschten Verhaltensweisen fördern.

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