Pro Equo BW - Thermoregulation und Witterungseinflüsse

Thermoregulation und Witterungseinflüsse

Die Maßnahmen zur Thermoregulation können ethologischer oder physiologischer Natur sein. Wenn die Möglichkeit besteht, tritt nach Bianca (1977 -aus Kolter&Meyer 1986) zunächst die ethologische Thermoregulation auf.

Ethologische Thermoregulation

Diese umfasst z.B. Verhaltensweisen, wie Sonnen, Aufsuchen von wettergeschützten Bereichen oder von Schatten sowie dichtes Zusammenrücken bei Kälte. Besonders im Winter nach kalten Nächten suchen Pferde morgens gerne sonnige Plätze zum Ruhen auf. Dabei richten sie ihre Körperachse so aus, dass sie möglichst viel Sonne abbekommen. Auch zu anderen Tageszeiten, z.B. nach Stürmen sonnen sich Pferde gelegentlich (Waring,1983). Bei starkem Wind oder Sturm richten Pferde ihre Längsachse beim Ruhen und Grasen mit dem Wind aus. Bei leichterem Wind oder Regen grasen sie aber oft auch mit dem Kopf gegen den Wind. (Tyler,1972). Bei schlechtem und nassem Wetter ist Liegen selten. Zumindest zum Ruhen suchen Pferde bei starkem Regen, Wind oder Schneefall gerne geschütztere Standorte auf, so z.B. den Wald oder den Windschatten von Bergkämmen.

Neben der ethologischen Temperaturregulation, verfügen Pferde über eine sehr leistungsfähige physiologische Thermoregulation. Zu dieser gehören funktionelle und strukturelle Anpassungen, die zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur dienen (Kolter & Meyer,1986)
Zu den funktionellen Anpassungen zählen
bei Hitze: Schwitzen, Gefäßerweiterung und verstärkte Atmung.
Bei Kälte: Zittern, Aufstellen der Haare und Gefäßverengung.

Strukturelle Anpassung

Strukturelle Anpassungen werden stets langfristig wirksam.
Hierzu zählen der Fellwechsel, d.h. die Ausbildung von Winter -und Sommerfell, die Stärke des Unterhautbindegewebes sowie spezielle Bildungen im Rahmen der Hautdurchblutung.
Eine strukturelle Anpassung an höhere Außentemperaturen ist der Wechsel von langem, dichten Winterfell zu kurzem Sommerfell, wodurch die Isolation vermindert und die Wärmeabgabe erleichtert wird. Der Fellwechsel im Frühling und Herbst unterliegt einem Jahresrhythmus und wird nicht alleine von der Tageslänge beeinflusst. Ebenso ist die Länge des Winterfells von der Tageslänge abhängig. Pferde in dunklen Ställen bekommen z.B. längeres Winterfell als dieselben Pferde bei gleicher Temperatur in hellen Boxen.

Physiologische Thermoregulation

Die physiologische Thermoregulation benötigt einen gewissen Energieaufwand, der nur bedingt von der Außentemperatur abhängig ist. Innerhalb eines bestimmten Temperaturbereichs, der sog. Thermoneutralen Zone, ist eine konstante, minimale Metabolismusrate erforderlich, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Der Wärmehaushalt wird in diesem Bereich also nicht über Variationen im Energiestoffwechsel reguliert. Sinkt die Außentemperatur unter einen kritischen Minimalwert oder steigt sie über einen kritischen Maximalwert an, so ist mehr Energie nötig, um die Körpertemperatur aufrecht zu halten, die Metabolismusrate steigt an.

Für die kritische Temperatur sind neben Gewöhnung (ca. 2 Wochen) auch Alter, Körpergröße, Leistung, Menge und Art des aufgenommenen Futters
sowie die anderen Klimafaktoren zu berücksichtigen.

Bei trockener Kälte ohne starken Wind funktioniert die Wärmeisolation über Haut und Fell sehr gut, bei Regen werden die Wärmeverluste vor allem in Verbindung mit Wind größer und der Energiebedarf steigt schon bei weniger tiefen Temperaturen an. Sonneneinstrahlung kann dagegen die durch Wind und Regen bedingten Wärmeverluste vermeiden. Für Fohlen liegt die untere kritische Temperatur deutlich über der von erwachsenen Pferden.(Manuskript Frau Groß-Götz)


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