Pro Equo BW - Ruheformen

Ruheformen

Die Hauptruhehaltung erwachsener Pferde ist das Ruhen im Stand. Dabei stehen die Vorderbeine meist parallel nebeneinander, Kopf und Hals sind gesenkt, die Ohren stehen seitwärts, die Augen sind mehr oder weniger geschlossen, der Schweif hängt entspannt runter oder schlägt langsam seitlich hin und her. Manchmal wird der Kopf auf Vorsprüngen, Kippen o.ä. abgestützt oder die Unterlippe hängen gelassen.

Ein spezieller Haltemechanismus aus Muskeln, Bändern und Sehnen ermöglicht es den Pferden, die Gelenke der Hinterhand passiv so zu entspannen und festzustellen, dass sie mit sehr geringem Kraftaufwand fast "unermüdlich" stehen können. Meist wird nur jeweils ein Hinterbein als Standbein auf diese Weise fixiert, während das andere Bein entlastet wird und nur mit dem vorderen Hufrand den Boden berührt. Untersuchungen von Winchester (1943 aus Waring,1983) ergaben, dass das Ruhen im Stehen für die Pferde sogar einen geringeren Energieaufwand bedeutet als das Ruhen im Liegen. Aufgrund des großen Körpergewichtes kommt es im Liegen zu einer stärkeren Belastung von Herz, Lunge und anderen inneren Organen. Dennoch legen sich die allermeisten Pferde mindestens einmal täglich zum Ruhen hin, wenn die äußeren Bedingungen es erlauben (z.B. Gefühl von Sicherheit, passender Untergrund)

Beim Ruhen im Liegen lassen sich die Brust -oder Bauchseitenlage und die Seitenlage unterscheiden. In der Bauchseitenlage ruht das Pferd auf Brust, Bauch und Beinen, die meist untergeschlagen sind. Der Kopf wird seitlich oder nach vorne aufgestützt. In der Seitenlage werden die Beine etwa rechtwinklig vom Körper weggestreckt, das Pferd liegt mit Kopf, Hals und Körper flach auf einer Seite.
Sowohl das Hinlegen als auch das Aufstehen beginnen Pferde mit den Vorderbeinen. Beim Hinlegen gehen die Pferde meist einige Schritte mit gesenktem Kopf, stellen dann die Beine dicht zusammen, knicken in den Karpalgelenken ein und rollen über den Huf-, Fessel- und Karpalgelenk bis zur Schulter ab, liegt zunächst in der Brustlage, aus der sie sich in die Seitenlage bewegen können. Beim Aufstehen strecken die Pferde aus der Bauchseitenlage als erstes die Vorderbeine nach vorne und erheben den Vorderkörper, dann drücken sie mit den Hinterbeinen gegen den Boden und erheben sich mit einem Ruck nach vorwärts -aufwärts. Einige Pferde benötigen auch mehrere Anläufe zum Aufstehen und scheinen erst durch leichtes Wippen mit der Hinterhand "Schwung zu holen", gelegentlich verweilen einige Pferde auch für einen Moment in einer sitzenden Stellung.

Es gibt drei verschiedene tiefe Formen des Ruhens, die sich durch Muskeltonus, Hirnaktivität und Verhalten unterscheiden lassen: Dösen, Schlummern ,Tiefschlaf.

Dösen

Dösen die am wenigsten tiefe Form des Ruhens, kann sowohl im Stehen als auch im Liegen erfolgen. Beim Dösen ist der Muskeltonus im Vergleich zur Wachsamkeit leicht vermindert. Anders als im Schlaf wird beim Dösen schnell auf Geräusche oder andere Reize reagiert.

Schlummern

Beim Schlummern, einer Form des richtigen Schlafens, ist der Muskeltonus weiter erniedrigt, die Reaktionsfähigkeit auf Außenreize ist vermindert, aber größer als im Tiefschlaf. Schlummern erfolgt meist in der Bauchseitenlage, kann aber auch im Stehen oder in Seitenlage vorkommen.

Tiefschlaf

Tiefschlaf, der mit minimalen Muskeltonus einhergeht, ist vermutlich nur im Liegen möglich. Typischerweise erfolgt er in Seitenlage, seltener in Brustlage mit aufgestütztem Kopf. Die Wachsamkeit ist im Tiefschlaf stark vermindert, die Ansprechbarkeit auf Außenreize ist gering. Häufig sind schnelle Augenbewegungen, bei geschlossenen Augen zu sehen .( sog. REM-Phasen), die z.B. beim Menschen mit Traumphasen in Verbindung gebracht werden. Unwillkürliche Bewegungen mit den Beinen, Ohren, Lippen kommen ebenfalls vor.

<< Tagesablauf | Ruheplätze/ Ruhe-Rhythmus >>