Pro Equo BW - Grundlagen der Fütterung

Grundlagen der Fütterung

Der Magen des Pferdes ist relativ klein. Das Fassungsvermögen liegt zwischen 15-20 l und ist daher nicht für große Portionen, sondern für die kontinuierliche Aufnahme kleiner Futtermengen geeignet. Intensiv eingespeicheltes Futter (Raufutter) wird offenbar schneller weitertransportiert als konzentrierte Futtermittel. Besonders schnell wird feuchtes Futter weiter geleitet.

Um Verdauungsprobleme zu vermeiden, sollte Kraftfutter daher nicht unmittelbar vor dem Weideaustrieb gefüttert werden, sondern besser hinterher oder, wenn vorher, dann mit ausreichendem zeitlichen Abstand. Wobei es sinnvoll ist, vor dem Weideaustrieb Heu zu füttern um ein durch "Heißhunger" hastiges und übermäßig schnelles Grasfressen zu verhindern. Der Magen der Pferde besitzt keine Dehnungsrezeptoren, die bei übermäßiger Füllung eine weitere Futteraufnahme verhindern, außerdem schließt die Speiseröhre der Pferde zum Magen hin mit einem sehr starken Schließmuskel ab, der sich in Abhängigkeit der Magenfüllung reflektorisch kontrahiert. Für Pferde ist Erbrechen daher unmöglich.

Wird innerhalb kurzer Zeit eine zu große Futtermenge aufgenommen, besteht die Gefahr einer Magenüberladung. Diese Gefahr ist besonders groß bei der Aufnahme stark quellender Futtermittel, wie beispielsweise Pellets oder nicht eingeweichte Trockenrübenschnitzel.

Ein ausreichender Raufutteranteil in der Nahrung ist für eine ausreichende Kautätigkeit wichtig (gutes Zerkleinern der Nahrung, Einspeicheln, Zahnabnutzung, Beschäftigung, langsame und kontinuierliche Füllung des Verdauungskanals). Des weiteren ist ein Mindestgehalt an Rohfaser Voraussetzung für eine normale Darmtätigkeit.

Leider ist es heute bei einigen Sportpferde-Besitzern in Mode gekommen, dass sie ihre Pferde auf Sägemehl stellen und zwar dreimal täglich Heu füttern (dafür brauchen die Pferde ca. 20 Min. je Portion), die Pferde aber ansonsten kein zusätzliches Raufutter angeboten bekommen. Die hieraus resultierende starke Verminderung der Futteraufnahmezeit begünstigt sowohl die Entstehung von Verhaltensstörungen (z.b. übermäßiges Kotfressen, Sägemehl fressen, Holznagen, etc.) als auch gesundheitliche Störungen (z.b. Verdauungsprobleme durch mangelnde Speichelbildung.) Der Raufutteranteil bzw. Weidegang sollte umso höher sein, je weniger das Pferd täglich bewegt/beschäftigt wird. Häufig würden sich sog. "Temperamentsprobleme" von selbst geben, wenn die Pferde weniger energiereiches, "beschäftigungsarmes" Kraftfutter und statt dessen mehr Raufutter bekommen würden.

Der Futterbedarf eines Pferdes wird durch das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren bestimmt. Der Nährstoffbedarf ist vom Körpergewicht des Pferdes ebenso wie von der Pferdeart (wachsendes Pferd, tragende Stute, Sportpferd, Freizeitpferd etc.) abhängig Neben den äußeren können auch individuelle Faktoren oder Rasseeigenschaften den Energiebedarf im Erhaltungsstoffwechsel variieren.
Ponys verdauen Futter nicht besser als Großpferde.

Ponyrassen unterscheiden sich jedoch entsprechend Herkunft oder Einkreuzungen erheblich in Temperament und Futteranspruch. Einige Pony -und Kleinpferderassen (Shetland-, Exmoor - Islandpony, Fjordpferd) haben sich über Jahrhunderte an die Futterverhältnisse extensiver Standorte gewöhnt. Durch ihr ruhiges Temperament sowie die starke Hautisolation (dichtes Haarkleid, Unterhautfettgewebe) haben sie offenbar einen geringeren Energieaufwand im Erhaltungsstoffwechsel als andere Rassen. Energiebedarfsnormen können für diese Rassen evtl. um rd. 10% reduziert werden. Dies gilt nicht für Pony -und Kleinpferderassen, die aus wärmeren Klimazonen stammen oder früher mit Arabern bzw. Vollblütern aufgekreuzt wurden (New Forest, Welsh Mountain, Haflinger, Connemara- Pony u.a.)
Bei der Fütterung älterer Pferde ist zu berücksichtigen, dass generell mit einer Abnahme des Energieumsatzes zu rechnen (schätzungsweise 10-20%) ist.

Vor allem Offenstall-Pferdebesitzer sollten bedenken, dass sich für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur der Energiebedarf bei großer Kälte genauso erhöht, wie bei extremer Hitze. Auch steigt der Bedarf an Mineralien bei starkem Schwitzen an. Man sollte daher, bei Tabellen mit Fütterungsempfehlungen o.ä. immer bedenken, dass sich die dort gemachten Angaben an Durchschnittswerten orientieren. Diese sind daher in jedem Fall zu prüfen und den individuellen Erfordernissen anzupassen.

Grundsätzlich sollten möglichst mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt angeboten werden. Während und nach den Fütterungen sollten die Pferde ihre Ruhe haben. Futterumstellungen sollten stets langsam vorgenommen werden.

Mir persönlich ist schon öfters in verschiedenen Ställen aufgefallen, dass bei Einhaltung der Futterempfehlung des Futterherstellers ein eigentlich ausreichend angereichertes Kraftfutter gefüttert werden würde, aber dass die Futterempfehlung oft nicht eingehalten wird und weit weniger als angegeben, gefüttert wird. Dadurch ist nicht nur der Energiebedarf nicht ausreichend, vor allem wird der Mineralstoffbedarf nicht gedeckt. Von daher sollte man dementsprechend ein zusätzliches Mineralfutter zufüttern. Oft ist auch der gleiche Fehler im anderen Extrem zu sehen, indem verschiedene Zusatzfutter (Kräutermineralfutter, Arthrosemittel, Leinsamen, Hustenkräuter etc.) gleichzeitig zur Fütterung kommen. Hier sollte man die Beipackzettel durchlesen und darauf achten, dass kein Ungleichgewicht im Mineralhaushalt entsteht.
Zum Thema Arthrose; Muscheln und Gelatine gehören heute schon lange zu den Allheilmitteln. Und die meisten schwören darauf. Doch haben sie schon mal überlegt, dass Gelatine nichts weiter als tierisches Knochenmehl ist, und sie somit einem Pflanzenfresser tierisches Eiweiß füttern, wenn sie ihm Gelatine geben? Ist es nicht so, dass BSE darauf zurückzuführen ist, das Kühen, also Pflanzenfressern, Knochenmehl ins Futter gemischt wurde?

| Leckerbissen >>