Pro Equo BW - Mindestanforderungen und Bewertungskriterien in der Pferdehaltung

Mindestanforderungen und Bewertungskriterien in der Pferdehaltung

Atemwegserkrankungen gehören neben Koliken und Erkrankungen der Extremitäten (z.B. akuten und chronischen Gelenkserkrankungen und Hufrollenentzündungen) zu den häufigsten Todesursachen. Auch Verhaltensstörungen wie "Weben" und "Koppen" und "Untugenden" beim Reiten sind vielfach eine Folge der unnatürlichen Haltungsbedingungen.

Besonders bei einer überwiegenden Boxenhaltung werden die Pferde vor vielen Umwelteinflüssen abgeschirmt, was die Entstehung von "Verhaltungsstörungen" bzw. unerwünschten Verhaltensweisen fördern kann.

Beurteilungskriterien für eine verhaltensgerechte Tierhaltung liefert u.a. ein von Verhaltensforschern entwickeltes Bedarfsdeckungs -und Schadensvermeidungskonzept. Hier nach zeichnet sich eine tiergemäße Haltung dadurch aus, dass sie dem Tier die Möglichkeit gibt, seinen Bedarf an allen benötigten Stoffen und Reizen zu decken und ihm Schadensvermeidung im Sinne von Selbsterhaltung erlaubt. Im Ganzen darf das Anpassungsvermögen der Tiere nicht überschritten werden, und zwar bezüglich aller Funktionskreise des Verhaltens.

Die zahlreichen Verhaltensauffälligkeiten /-störungen von Hauspferden und das gehäufte Auftreten bestimmter Krankheiten bei Pferden aus bestimmten Haltungs- und Nutzungsformen und die oft geringe Lebenserwartung vieler Pferde zeigen aber, dass die heutige Form der Pferdehaltung/-nutzung nicht selten das Anpassungsvermögen der Pferde überfordert.

Nach Zeeb liegen die Ursachen hierfür besonders in folgenden Punkten:

1.Unphysiologische Fortbewegung,
2.schlechtes Stallklima,
3.Fehler bei der Fütterung.

Unphysiologische Fortbewegung:

Ca. 23 Stunden Aufenthalt in der oft viel zu kleinen Einzelbox ohne die Möglichkeit, sich gemäß dem angeborenen Artverhalten bei der Futtersuche gemächlich fortzubewegen, führt zu mangelhafter Durchblutung von Muskeln, Sehnen und Gelenken. Ist zudem die tägliche Intensivarbeit nur auf eine knappe Stunde oder weniger konzentriert, kann sich der Organismus nicht optimal auf Belastung einstellen. Die Folge sind vermeidbare Lahmheiten.

Schlechtes Stallklima:

Häufig werden tolerierbare Werte des Schadgasgehaltes der Stallluft besonders in der Nacht weit überschritten. Dies ist zurückzuführen auf mangelhafte Belüftung, weil entweder entsprechende Einrichtungen dafür fehlen oder aber weil Fenster und Türen hermetisch verschlossen sind.

Fehler bei der Fütterung:

Die artgemäße und verhaltensgerechte Futteraufnahme beim Pferd besteht darin, sich Schritt für Schritt das Futter auf der Weide zusammenzusuchen, oft bis zu 16 Stunden am Tag. Der Verdauungstrakt ist so beschaffen, dass er das Futter kontinuierlich über den Tag verteilt verarbeitet. Eine nur zweimal am Tag erfolgende Verabreichung hochkonzentrierter Futtermittel ist dementsprechend nicht pferdegerecht und kann durchaus gesundheitsschädigend sein.

Grundvoraussetzung für das Gelingen einer pferdegemäßen und verhaltensgerechten Pferdehaltung ist ein entsprechendes Management. Der Pferdehalter oder Betreuer muss ausreichende Kenntnisse über das Sozial -und Ausdrucksverhalten sowie die arttypischen Bedürfnisse von Pferden besitzen. Er sollte im Umgang mit Pferden qualifiziert und geübt sein sowie Verhaltensabweichungen oder Krankheitsanzeichen frühzeitig erkennen können. Gutes Management kann geringe Unzulänglichkeiten in Teilbereichen der Haltungsbedingungen abfangen, so dass die Tiere dennoch ausgeglichenes Verhalten zeigen und sich in gutem körperlichen Zustand befinden.

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