Pro Equo BW - Haltungsformen

Haltungsformen

Der Offenstall

Die Gruppenauslaufhaltung (Offenstall) ist ein Verfahren, bei dem mehrere Tiere in kleinen Gruppen zusammen gehalten werden. Im Offenstall können die Pferde jederzeit ins Freie. Der Ruhe-, der Fütterungs- und der Tränkbereich sollte möglichst weit voneinander entfernt liegen., damit die Pferde zur Bewegung angeregt werden. Die Türöffnungen (mind. zwei Türen) sollten zur wettergeschützten Seite liegen. Ein wetterfester, trockener Untergrund am und um den Stall ist bei dieser Haltung unumgänglich. Der Betreiber eines Offenstalles sollte ein fundiertes Fachwissen besitzen, da eine richtige Zusammenstellung der Gruppe mit Berücksichtigung auf die Verträglichkeit der Pferde untereinander eine Grundvoraussetzung ist .

Die Gruppen sollten nicht zu groß sein (4-8 Pferde), sowie der Größenunterschied der Pferde nicht allzu sehr voneinander abweichen. Bei Ponys und Großpferden ist beispielsweise der Futterbedarf der Tiere recht unterschiedlich. Der Stall sollte mehrere Ausgänge haben, es dürfen sich keine Sackgassen bilden und rangniedere Tiere brauchen ausreichende Rückzugsmöglichkeiten.

Im Offenstall haben sich Futterstände bewährt, in dem jedes Pferd sein Futter zugeteilt bekommt. Besonders für rangniedere Tiere ist es sehr wichtig, dass sie sich ständig über Tätigkeit und Aufenthaltsort ranghoher Gruppenmitglieder informieren können. Aus diesem Grund führt z.B. völliger Sichtschutz zur Seite bei Fress-Ständen nicht zu einer ruhigeren Futteraufnahme, sondern stellt besonders für rangniedere Tiere eine Beunruhigung dar, da sie nur durch häufiges Heraustreten aus dem Stand (bis zu zwei mal pro Minute) die Umgebung ausreichend absichern können. Alleinige akustische Orientierung nach hinten scheint nicht auszureichen.

Separate Futtereinrichtungen ermöglichen zwar auch nicht integrierten Tieren die Futteraufnahme , aber das Problem für andere Bereiche (Lauf/ Liegefläche) ist damit noch nicht gelöst. Rangniedere Tiere, die permanent von den anderen Tieren gebissen und geschlagen werden sollten aus der Gruppe herausgenommen werden. Auch der Größenunterschied kann zu Problemen führen. Zwar kann das Kraftfutter dementsprechend zugeteilt werden, doch das Heu wird meist ad libitum vorgelegt, was bei den Ponys zu Verfettung oder Rehe führen kann.

Wer sein Pferd im Offenstall unterbringen möchte, muss davon ausgehen, dass er sein Pferd hinten unbeschlagen lassen muss, um die Verletzungsgefahr bei Auseinandersetzungen zu mindern. Allerdings sind bei etablierten Gruppen mit festgelegten Rangverhältnissen und ausreichendem Raumangebot ernsthafte Auseinandersetzungen gering. In Offenställen mit Auslauf und/oder Weide ist es den Pferden am besten möglich, ihren Bedarf an Licht und sauberer Luft zu decken und zudem entsprechende Reize für eine gut funktionierende Thermoregulation zu entfalten. Außerdem haben sie hier am ehesten die Möglichkeit, ein ihnen zusagendes Mikroklima zu wählen.

Auch wenn sich die Beschreibung des Offenstalls sehr gut anhört, so ist hier nur beschrieben, wie ein gut geführter Offenstall beschaffen sein sollte, leider sehen die Offenställe in der Regel aber leider ganz anders aus. Wie gesagt ist ein befestigter Auslauf, ausreichende Futterstände sowie das gute Management Grundvoraussetzung. Die Pferde sollten nicht wahllos zusammengestellt werden, sondern vor allem nach Größe und dann nach Farben bzw. "Freundschaften" zusammen gestellt werden.

Zum Beispiel kenne ich eine ältere, wirklich gut verträgliche Schimmel-Stute. Die Besitzerin wollte ihr den Lebensabend in der Herdengemeinschaft ermöglichen, aber als einziger Schimmel wurde sie von den anderen Pferden ein halbes Jahr lang vertrieben, gebissen und geschlagen. Schließlich hatte die Besitzerin ein Einsehen und stellte das Pferd in einen anderen Stall.

Kleinere Rangauseinandersetzungen beim Integrieren in die Gruppe legen sich ziemlich schnell, wenn das Pferd seine Position in der Gruppe gefunden hat. Aversionen gegen einzelne Pferde dagegen nie.
Gute Offenställe sind leider noch sehr selten (Siehe Foto) Meist sind es Bretterbuden mit Matschausläufen. Meiner Meinung nach sollte man daher lieber den mittleren Weg gehen und das Pferd in eine Box mit angeschlossenem Paddock stellen. Das Pferd sollte jeden Tag bewegt werden und nicht, wie es bei vielen Offenstall-Pferdebesitzern zu beobachten ist, nur am Wochenende oder "wenn`s gerade passt", getreu dem Motto: "Mein Pferd ist ja im Offenstall untergebracht, da genügt es, wenn ich am Wochenende zwei Stunden ausreite."

(Dies gilt insbesondere für schlechte Offenställe mit Matschausläufen, in denen es vor allem im Winter meist keinen Koppelgang gibt. In vorbildlichen Offenställen, in denen die Pferde ausreichend Platz haben, um ihren Bewegungsdrang auszuleben (bzw. ihren Bedürfnis nach Bewegung nachzukommen), macht es weniger aus, wenn die Pferde nicht täglich von ihren Besitzern bewegt werden).

Der Laufstall

Der Laufstall ist vor allem für Jungtiere, sprich Absetzer bis dreijährige Pferde vorgesehen, um den Jungtieren den Kontakt zu gleichaltrigen Tieren zu ermöglichen, und so den Tieren Sozialverhalten und Spielen zu ermöglichen. Ich finde die Aufstallung in Form eines Laufstalles für Jungtiere, nicht mehr vertretbar!

Meist stehen wesentlich mehr Pferde zusammen, als es das Raumangebot zulässt.

So ist ein Individualabstand nicht mehr möglich und die Tiere sind psychisch ständig überfordert. Auch die Amoniakbelastung ist in den Laufställen meist zu hoch, da bei der Anzahl der Tiere nur eine Tiefstreu in Frage kommt. Meist liegen die Laufställe zudem meist im hinteren Bereichen der Stallungen ,was die Schadgasbelastung noch erhöht. Die Fohlen müssen zum Bewegen zudem über die rutschige Stallgasse in die Halle, Reitplatz oder die Matschkoppel getrieben werden. Dies kann bei, in der Regel ca. ein duzend Tieren leicht zu Verletzungen führen. Die Tiere haben über die Winterhalbzeit, wenn nur die Reithalle zur Verfügung steht kaum eine ausreichende Vitamin D Versorgung und leiden oft an Pilzbefall.

Bei vielen Laufställen , vor allem die im Scheunenbereich könnte man ohne großen Aufwand zusätzlich wenigstens einen freizugänglichen Außenbereich anbringen.

Viele Ställe die ich kenne, könnten ihre Pferdehaltung mit geringen finanziellen Mitteln optimieren. Im Bereich der Boxenhaltung ist meist genügend Platz hinter dem Gebäude um einen Wanddurchbruch vorzunehmen und Paddocks anzubauenIch denke, es liegt weniger an der finanziellen Möglichkeiten, als an der Einstellung der Reiter gegenüber ihren Pferden. Da sie den wirklichen Bedürfnissen der Pferde nicht bewusst sind, weil sie es in der Reitschule eben nicht gelernt haben und Stallbesitzer meist die Anlage von ihren Vätern übernommen haben und mit diesem System aufgewachsen sind, sehen sie keinen Anlass, etwas an der Stallhaltung zu ändern. Dass es heute noch erlaubt ist, Neuanlagen ohne integrierte Paddocks zu bauen, erstaunt mich doch sehr. Noch mehr erstaunt mich aber, dass Stallbesitzer gar keine Notwendigkeit darin sehen. Und in den Fällen die ich hier anspreche, geht es wirklich nicht ums Geld. Da wurden vor ein paar Jahren Reitanlagen vom Feinsten gebaut. Mit Solarium, Boxen mit schwenkbaren Futtertrögen, lichtdurchflutete Reithallen mit direktem Zugang zum Stall. Für den Reiter nur das Beste, für die Pferde ein goldener Käfig. Warum sollen hochkarätige Turnierpferde nicht ins Freie dürfen. Bei entsprechendem Management dürfte es keine Probleme bereiten. Bei schlechtem Wetter kann man die Paddocks schließen oder die Pferde mit Stalldecken versehen (die sie von Herbst bis Frühjahr sowieso tragen)


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