Pro Equo BW - Atemwegserkrankungen

Atemwegserkrankungen

Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft e.V. schreibt 1991 in "Richtlinien zur Pferdebeurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten" Eine Studie belegt, dass die Lebenserwartung der Pferde sich in den letzten 30 Jahren erheblich verringert hat. Hierfür werden neben unregelmäßiger Belastung und reiterlicher Überbeanspruchung vor allem schlechte Haltungsformen verantwortlich gemacht. Atemwegserkrankungen gehören neben Koliken und Erkrankungen der Extremitäten (z.B. akuten und chronischen Gelenkserkrankungen und Hufrollenentzündungen) zu den häufigsten Todesursachen. Auch Verhaltensstörungen wie "Weben" und "Koppen" und "Untugenden" beim Reiten sind vielfach eine Folge der unnatürlichen Haltungsbedingungen.
Diese Situation lässt sich nur verbessern, wenn Fehler in Nutzung und Haltung vermieden und die Anforderungen des Tierschutzgesetzes erfüllt werden.

Leider hat sich zum Leidwesen der Pferde kaum etwas verändert.

Ein großes Problem ist, meiner Meinung nach, dass nachts die Stalltüren geschlossen werden, ohne einen Ausgleich zu schaffen. Z.B. indem man die Stallfenster öffnet oder grundsätzlich die Stalltüre durch eine Gittertüre ersetzt.

Vor allem bei einreihigen Außenboxen können große Lüftungsprobleme entstehen. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung sind Außenboxen lüftungstechnisch nicht unbedingt problemloser als Innenboxen. Da meist keine zusätzlichen Fenster vorhanden sind, um die Lüftung zu regulieren, bilden sich schnell Schlechtluftseen, und im Sommer besteht oftmals die Gefahr eines Wärmestaus. Auch im Winter sollte man bedenken, dass bei geschlossener Tür ein extremer Hitzestau entsteht, da bei Außenboxen noch weniger Luftraum vorhanden ist, als in zweireihigen Boxenreihen mit Stallgasse und gekippten Fenstern.

Einige Reitställe sind auch dem Bedürfnis der Pferde nach frischer Luft nachgekommen und haben Außenklappen in den Boxen angebracht, und die Boxen zum Teil mit Paddocks erweitert. Aber um den Stall Diebstahl sicher zu machen, werden diese natürlich nachts geschlossen. Die fehlende Luftzufuhr muss dann aber an anderer Stelle ausgeglichen werden! Vor allem nachts ist der Schadgasgehalt in den Ställen viel zu hoch. Wenn man sich vorstellt, wie viele Pferde auf engstem Raum in den Stallungen mit ungenügender Luftzirkulation verbringen, ist es auch kein Wunder, dass die Pferde schon allein deshalb Lungenprobleme bekommen. Nur der Pferdebesitzer wundert sich, dass sein Pferd hustet. Denn wenn er zum Reiten erscheint, ist die Luft im Stall wieder einigermaßen in Ordnung, da der Pferdepfleger morgens sämtliche Türen und Fenster aufreißt, damit er selbst nicht erstickt.

Warum kann man dieses, für das Tier so enorm wichtige und für den Menschen so leicht änderbare, geringfügigem Problem nicht aus der Welt schaffen?
Nun, es liegt wieder an der Unwissenheit, dem Management und dem unqualifiziertem Personal.

Wenn man sein Pferd unter anderem, aus besagten Mängel bei der Pferdehaltung, nicht in konventionellen Reitställe stellen möchte, sondern sein Pferd am Haus oder im Privatstall unterbringt, kann nun wiederum die Bewegung des Pferdes, sich zu einer schwierigen Aufgabe gestalten. Da die Gemeinden zwar in jedem Ort einen riesigen Sportplatz anlegen, ist es gleichzeitig aber fast unmöglich, eine Genehmigung für einen Reitplatz oder gar einer Reithalle zu bekommen. Die Gemeinde sollte -bei entsprechendem Bedarf aus Tierschutzgründen- wenigstens eine Möglichkeit zum Bau eines Reitplatzes/Reithalle zum Wohl des Pferdes zur Verfügung stellen, die dann von allen Reitern im Ort belegt werden kann. So könnte man vielen Pferden, auch bei schlechtem Wetter, Bewegung verschaffen. Die Genehmigung eines Reitplatzes ist bisher immer noch ein Machtspiel der Behörden - gegen die Reiter. Als wenn man den "elitären" Reitern zeigen müsste, wer am längeren Hebel sitzt.

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