Pro Equo BW - Artgerechte Haltung

Artgerechte Haltung

Das Pferd steht zwar seit 5000 Jahren unter dem züchterischen Einfluss des Menschen, in seinem Verhalten und hinsichtlich seiner Ansprüche an die Lebensbedingungen hat es sich dennoch nicht wesentlich verändert. Die relative Lebenserwartung, die Häufigkeit von Erkrankungen und Dauerschäden bei Pferden lassen darauf schließen, dass diesen Ansprüchen nicht ausreichend entsprochen wird und eine tiergerechte Haltung und Nutzung vielfach nicht gegeben ist.

Lange und zäh waren allein die Verhandlungen, bis endlich der Beschluss gefasst wurde, die Ständerhaltung zu verbieten. Reitbetriebe hielten ihre Schulpferde bis zum bitteren Ende in der Ständerhaltung. Warum? Weil sie in den elterlichen Betrieb hineingewachsen sind und es nicht anders kannten? Weil sie keinen Bezug zu den Tieren haben? Weil die Pferde nur eine Einnahmequelle sind? Sollte man nicht gerade dann den Tieren die bestmögliche Unterbringung gewährleisten, damit sie sich, nachdem verschiedene Reiter ihnen im Kreuz herum geplumpst sind, in einer großen Box wenigstens nachts ausgestreckt hinlegen können? Doch wozu? Schließlich kann man anstatt ein Pferd in einer Box, mit dem gleichen Platzangebot zwei Schulpferde in Ständern unterbringen. Und es bleibt so mehr Platz, um Pensionspferde in Boxen unter zubringen. Auch wenn ein Privatpferdebesitzer sein Pferd niemals in einen Ständer stellen würde, so schaut er doch zu wie Schulpferde gezwungen werden, ständig auf einem Platz zu stehen, gegen die Wand schauen müssen und sich keinen geeigneten Platz zum Schlafen aussuchen zu können, sondern sich einfach hinlegen müssen, wo sie gerade stehen. Und immer mit angewinkelten Beinen, denn ein ausgestrecktes Liegen ist aus Platzmangel kaum möglich. Gut die Zeiten sind vorbei, oder doch nur verlagert?

Manchmal sieht man, dass ein Stand einfach mit einer Boxentüre versehen wurde. Das Pferd ist zwar nicht mehr angebunden aber das Raumangebot bleibt gleich. Das Pferd streift beim Herumdrehen in der Box, mit der Hinterhand oder der Schulter an der Wand.

Oder es werden bei Platzmangel, kurzerhand zwei Ponys in eine normale Box gestellt. Auch wenn die Privatpferde in solchen Reitbetrieben eine Boxe zur Verfügung haben, so entspricht dies vielleicht gerade noch dem Tierschutzgesetz, aber auf keinen Fall den Bedürfnissen der Pferde. Die Stallungen sind zum Großteil immer noch dunkle Höhlen ohne genügende Luftzufuhr und Fenster.
Auch wenn bei einem geringen Teil der Reiter ein Umdenken stattgefunden hat, ist der Großteil der Reiter immer noch bereit, ihre Pferde in dunkle Verschläge zu stellen. Warum? Und warum sind Stallbesitzer nicht bereit, ihre Boxen mit Paddocks nachzurüsten?

In den meisten Anlagen wäre dies ohne großen weiteren Aufwand möglich. Wenn es auch viele Stallbesitzer aus Kostengründen scheuen, so rechnen sich die Kosten, denn früher oder später ziehen die Pferdebesitzer in einen anderen Stall um, der in nächster Nähe als erstes Paddockboxen anbietet. Auch die enormen Tierarztkosten bei Stauballergie, Husten und Pilzinfektionen, wegen mangelnder Luft -und Sonneneinstrahlung, könnte man einsparen.

Die zusätzliche Bewegungsmöglichkeit kann zumindest ansonsten angelaufenen Beinen entgegenwirken. Noch unverständlicher ist, dass Neuanlagen zwar mit Solaranlage, Beregnungsanlage, Reiterstüble etc. für die Reiter ausgestattet werden, aber keine Paddocks, sondern, wenn überhaupt mit Außenfenstern ausgestattet sind. Bei den Neuanlagen ist meist die Reithalle mit dem Stallgebäude zusammengebaut, dies ist für die Reiter natürlich von Vorteil. Das bedeutet aber für die Pferde, dass sie zum Teil über Tage keinen natürlichen Reize ausgesetzt sind. Die Angst, dass sich die Pferde im Paddock verletzen können, kann ich zum Teil nachvollziehen. Für mich ist es aber auch selbstverständlich, dass die Paddocks so gestaltet werden, dass die Verletzungsgefahr gering gehalten wird. Dazu zählt ein fester Untergrund, sodass die Pferde sich nicht im Paddock wälzen, sowie stabile Einzäunung, die evtl. zusätzlich mit E-Zaun zwischen den langen Seiten angebracht werden. Kein Füttern der Pferde im Paddock, vor allem kein zusätzliches Füttern von einzelnen Pferden von Pferdebesitzern. Wenn einige logische Regeln von allen befolgt werden, werden auch keine Verletzungen entstehen.
So wie wir heute den Kopf schütteln, weil es Jahrzehnte brauchte, bis die Ständerhaltung verboten wurde, so werden wir in ein paar Jahren beschämt zurückdenken, dass wir so lange den Pferden jegliche Art von Freiheit und Selbstbestimmung genommen haben, - und sie ständig in einen winzigen Käfig, etwas anderes ist es für ein Pferd nicht, gesperrt haben. Damit die Pferde für uns eine Stunde am Tag zur Verfügung stehen.

Wir sollten, wo Wissenschaftler nachgewissen haben, dass es für die Pferde extrem gesundheitsschädigend ist, in einem Käfig auf ihren Einsatz zu warten, diesen Erkenntnissen endlich Rechnung tragen und wenigstens Paddocks als Mindestausstattung festlegen. Die Formel Widerrist im Quadrat sollte der Vergangenheit angehören.

Wir Reiter nehmen soviel für unser Hobby in Kauf. Die meisten nehmen sich zumindest zwei Stunden für das Pferd Zeit. Geben Unmengen Geld für Tierarzt, Zusatzmittelchen, Ausrüstung u.ä. aus, und können aber den Grundbedürfnissen des Pferdes dennoch nicht gerecht werden.

Ich möchte an einem Beispiel von einer anderen Tierart aufzeigen, dass wir endlich umdenken sollten: die Kleintierhaltung. Auch hier findet nur sehr langsam ein Umdenken statt. Obwohl die Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Hamster (von den armen Vögel die zum Fliegen und nicht zum Sitzen auf der Stange, von Gott erschaffen wurde, möchte ich jetzt nicht auch noch eingehen) einzig und allein als Spielkameraden für die Kinder gehalten bzw. als Hobby allgemein, werden sie in winzigen Käfigen gehalten. Und müssen sich, wenn sie nicht doch bissig geworden sind, von den Kindern streicheln, drücken und knuddeln lassen. Danach werden sie wieder in den Käfig gesetzt, der noch nicht einmal einen einzigen Hoppelsprung zulässt und die Tiere zwingt, auf ihren Extrementen zu sitzen und zu liegen. Grundsätzlich finde ich es auch für sehr wertvoll, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Sie sollten aber vor allem lernen, Tieren gegenüber respektvoll umzugehen und ihnen einen weitmöglichst naturnachempfundenen Lebensraum zu schaffen. Hierzu müssen aber wir Erwachsene erst unsere alten Verhaltensmuster grundsätzlich überdenken und endlich den Tieren, mit denen wir zusammenleben wollen, wenigstens einen größeren Freiraum zukommen lassen. Man könnte die schlechte Haltung damit rechtfertigen, dass sich der Normalbürger einfach nicht auskennt, aber auch in den Kleintierzuchtvereinen werden die Hasen nach wie vor in winzigen Käfigen gehalten. Schön aufeinandergestapelt, sitzen die Hasen im Volksmund "Stallhasen" genannt ihr Leben lang im Käfig bis sie geschlachtet werden. Dabei handelt es sich um Hasenzüchter, die Stolz auf ihre Zucht sind, und über die Zuchtbestimmungen, Farbenspiel etc. bestens Bescheid wissen und ihr Hobby für nichts auf der Welt eintauschen würden. Sogenannte Tierfreunde! Die Haltungsbedingungen für ihre Lieblinge zu ändern, wäre weder finanziell noch platzmäßig ein Problem, wäre nur nicht die althergebrachten Denkweisen im Weg.

Genauso ist es bei vielen Stallbesitzern, die am Stallgebäude genügend Platz hätten, um Paddocks an die Boxen anzubauen. Oftmals besteht sogar genügend Möglichkeiten, die Pferde vom Stallgebäude direkt auf eine Koppel zu lassen, wären da nicht ausgesonderte Landmaschinen im Weg, die darauf warten, in den nächsten Jahren vom Schrotthändler abgeholt zu werden.
Wir haben uns schon zu lange an den Tieren schuldig gemacht und sollten endlich anfangen, die Käfige, den jeweiligen Möglichkeiten entsprechend umzubauen und umzugestalten.

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