Pro Equo BW - Die Pferde

Die Pferde

Pferde kann man kennen, sie täuschen uns nicht und geben nicht an. Man sieht und fühlt es, ob ihre Gemütsart gutmütig oder widerstrebend, ängstlich oder zutraulich, froh oder verzweifelt ist. Ihr Wesen bildet sich im Umgang mit dem Menschen .Pferde können sogar ihr Wesen ändern, wenn sie neue Erfahrungen machen, gutmütige Pferde können böse werden und umgekehrt. Wenn wir vom Charakter der Pferde sprechen, dann meinen wir die mehr oder weniger starke Betonung des Eigenwillens dem Menschen gegenüber. Man darf Charakter nicht mit Temperament verwechseln. Das liegt sehr nahe, denn Pferde mit feurigem Temperament und unbändiger Gehlust sind in falscher Hand sehr bald verdorben und widersetzlich.

Erfahrene Pferdeleute können , nur am Gesicht Stuten und Wallache unterscheiden. Der Schritt, die Stimmung des eigenen Pferdes am Blick und Ohrenspiel kennen zu lernen, ist nicht mehr groß. Man muss es nur wirklich bei jeder Begrüßung bewusst ansehen, wie einen Freund, und dann ist es geradezu ein Vergnügen, auch vom Sattel aus das Ohrenspiel zu beobachten, das ganz typisch Zufriedenheit, Furcht, Bereitschaft zur Widersetzlichkeit anzeigt. Wenn man an nichts anderes zu denken hat, soll man das Ohrenspiel, bei der Arbeit an der Hand auch das Auge im Zusammenhang mit seinen eigenen Einwirkungen beobachten, dann schult man den Blick, sammelt Erfahrung und kontrolliert die Reaktion, die Zündung der Hilfen. Die Ohren des Pferdes sind der Spiegel seiner Seele; der Schweif ist eine unglaublich fein reagierende Barometernadel für alle seine Gemütsbewegungen. Mit den Ohren und dem Schweif spricht das Pferd zu uns.

Pferde haben auch Nerven. Uns fallen sie erst auf, wenn die Pferde schon an ihrem Nervenapparat Schaden genommen haben. Junge Pferde dürfen ängstlich und scheu sein, aber ältere Pferde, die zappelig unter dem Reiter oder handscheu in der Boxe sind, haben das Vertrauen verloren. Wenn arme Reitpferde in missverstandener Dressur bis zur Verzweiflung gequält werden und danach an der vollen Kippe stehen, nachschwitzen und nicht fressen wollen, dann bestehen nervöse Herz-- oder Magenleiden mit Blutstauungen im Kreislauf der Verdauungsorgane. (aus vollendete Reitkunst, von Udo Bürger 1975)

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