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Führen eines Pferdes

Das richtige Führen eines Pferdes ist etwas Grundlegendes, das jeder Reiter beherrschen sollte. Deshalb hierzu einige Ausführungen.

Die meisten Unfälle entstehen im Umgang mit Pferden, und nicht beim Reiten. Wenn sie ein Pferd führen, und sei es nur auf den Putzplatz, sollten sie grundsätzlich mit Strick führen. Halten sie das Pferd nur mit der Hand am Halfter, ist die Verletzungsgefahr für sie um einiges höher, falls sich das Pferd erschrickt. Macht es beispielsweise eine ruckartige Bewegung mit dem Kopf nach oben, kann ihr Arm, der ja in dem Fall immer kürzer ist, dieser ruckartigen Bewegung nicht folgen und es kann zu Zerrungen bis hin zum Auskugeln des Armes kommen. Nun denken sie bestimmt, dann lass ich eben das Pferd los. Aber zum Einen geht alles meist sehr schnell, so dass sie gar nicht reagieren können und zum Anderen hält man das Pferd auch reflexartig fest. Was prinzipiell ja gut ist, da sich das in Panik wegrennende Pferd verletzen könnte ( Sturz, Auto etc.), und auch aus erzieherischen Gründen ist es besser das Pferd fest zu halten. Denn je öfter sich ein Pferd losreißen kann, desto häufiger versucht es, jede Situation dazu auszunutzen. Das Führen mit Strick dient also der Sicherheit von Mensch und Tier. Der Strick wird in dem Ring unterhalb des Halfters befestigt. Der Strick sollte mit der rechten Hand ca. vier handbreit unter dem Karabinerhaken gehalten werden, die linke Hand hält das Ende des Strickes. Das Pferd sollte beim Führen genügend Kopffreiheit haben, aber der Strick darf natürlich nicht so durchhängen, dass es um sie herumlaufen oder sie überholen kann, d.h. sie sollten immer im Bereich zwischen Kopf und Schulter neben hergehen können. Oft kann man beobachten, dass der Strick am Karabinerhaken gehalten wird, da haben wir zum einen das gleiche Problem wie beim Führen ohne Strick und zusätzlich öffnet man meist aus versehen den Karabinerhaken. Das Wichtigste, weshalb ich dieses Thema überhaupt aufgegriffen habe: Wickeln sie niemals, wirklich niemals den Strick um ihre Hand.!!! Sondern legen sie das Ende des Stricks einfach in ihre Hand. Ich kenne einige Reiter, die eine Fingerkuppe oder sogar mehrere Finger auf diese Art einbüßen mussten, weil sie den Strick um die Hand wickelten und ihr braves Pferd davon stürmte. Dabei zog sich der Strick ruckartig fest und quetschte die Hand bzw. die Finger. Leider bekommt man diese nicht so schnell aus den Schlingen des Stricks, wie man es sich dachte. Probieren sie es doch einmal ohne Pferd, vielleicht mit ihren Reitkollegen, vorsichtig aus.

Wenn sie ihr Pferd in der Reithalle laufen lassen wollen oder es auf die Koppel bringen, sollten sie das Pferd hineinführen, und es dann mit dem Kopf Richtung Eingang drehen. Erst jetzt sollten sie den Strick lösen.. Führen sie ihr Pferd in die Koppel o. Reithalle und lassen es neben sich los, so kann der erste Buckler sie treffen und meist schön in den Bauch.

Bei heftigen Pferden, die es nicht abwarten können, bis der Panikhaken geöffnet wird, kann man auch einen einfachen Strick ohne Panikhaken verwenden, der durch das Halfter geführt wird und bei dem man beide Enden in der Hand hält. Beim Loslassen braucht man so nur das eine Ende freigeben. Ich bin allerdings trotzdem dafür, dass sie ihr Pferd erziehen: d.h. sich Zeit nehmen, ihm diese Unart, gleich losstürmen zu wollen, abzugewöhnen. In so einem Fall wirkt Bestechung Wunder. So können sie dem Pferd beispielsweise Leckerlis füttern, bevor sie den Strick lösen. Oder in der Reithalle erst einmal ein paar Runden mit dem Pferd laufen und es jedes mal an einer anderen Stelle loslassen. Versuchen sie, so wenig Monotonie wie möglich im Alltagsleben des Pferdes aufkommen zu lassen. Suchen sie die Fehler immer erst bei sich und versuchen sie mit viel Zeit, Verstand und Geduld die Probleme zu lösen. Würden sie dem Pferd nun jedes mal heftige Paraden am Strick geben oder es sonst irgendwie strafen, bekommt das Pferd immer mehr Angst vor der Situation (z.B. Strick lösen) und es fängt immer früher damit an losstürmen zu wollen. Mit der Zeit wird dann selbst das Führen zum Kraftakt. Es ist also besser, mit positiver Verstärkung zu arbeiten. Mit der Zeit können die Leckerlis reduziert und dann ganz weggelassen werden, weil es für das Pferd zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, dass es beim Öffnen des Strickes stehen bleibt.

Eine Alternative zum Ausritt, ist das Spazieren führen des Pferdes im Gelände. Vor allem junge Pferde die man ans Gelände gewöhnen möchte, fühlen sich meist viel sicherer, wenn man neben ihnen herläuft. Hierbei sollten wir das Pferd aber grundsätzlich mit Trense führen. Entweder nehmen wir die Zügel vom Hals oder wir schnallen sie ganz heraus und hängen eine Longierbrille in die Trensenringe, an der ein Strick befestigt wird. Ungünstig ist es, den Strick nur in den inneren Trensenring einzuhängen. Dadurch ziehen wir das Pferd immer zu uns herüber und bei größeren Auseinandersetzungen wird das Trensengebiss durchs Maul gezogen. Auch wenn ihr Pferd wieder einmal ganz brav ist und sie lieber mit Halfter und Strick führen wollen, denken sie immer daran, dass im Schadensfall (Pferd rennt ins Auto) die Versicherung nicht zahlt. Also nehmen sie die Trense zur Hand und genießen sie einen wunderschönen Spaziergang mit ihrem Pferd.

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