Pro Equo BW - Ausreiten

Ausreiten

Das Reiten im Gelände kommt dem Pferd sehr entgegen, da es eigentlich seiner natürlichen Lebensweise entspricht.

Zum Ausreiten sollten wir die Bügel um zwei Löcher verkürzen (siehe Sitzarten) und auf jeden Fall den Reithelm aufziehen. Eigentlich sollte man zu dritt ausreiten, da bei einem Unfall der eine Reiter Hilfe hinzuholen kann und sich der andere um den Verletzten kümmern kann. Meist ist es aber schwierig, zwei weitere Reiter zu finden, die gerade zur gleichen Zeit die Möglichkeit haben, mitzureiten, oder man hat zu verschiedene Ansichten über einen "ruhigen" Ausritt. Da wir uns im Handy-Zeitalter befinden, können wir den dritten Reiter durch ein Handy ersetzen, und zu zweit Ausreiten. Ungünstig ist es, allein auszureiten, da sich die Pferde in Gesellschaft viel wohler fühlen und eventuelle Gefahrenquellen gemeinsam meist besser meistern. Oft haben sie vor unterschiedlichen Dingen Angst, und so macht der eine dem anderen Mut, an der Gefahrenquelle vorbei zu laufen. Eine ungünstige Konstellation bei der Auswahl der Pferde wäre es, zwei gleich ängstliche Pferde mitzunehmen, denn da kommt man natürlich nicht weit oder ist schneller wieder daheim, als einem lieb ist. Aber meist hat man zufällig zwei, die sich ergänzen. (So wie sich auch die Reiter meist ergänzen, der eine redet den ganzen Ausritt und der andere hört zu). Jeder Ausritt stellt meist neue Herausforderungen an Reiter und Pferd. Wir begegnen Fahrrad -fahrern, Traktoren, Joggern u.s.w. .Viele Dinge und Situationen, die sie in der gewohnten Umgebung der Reitanlage so nicht vorfinden. Meist finden Pferde es auch nicht schlimm, wenn diese Dinge von vorn auf sie zukommen. (Bei Fahrzeugen sollten sie darauf achten, dass sie ihr Pferd genügend weit seitlich vom Fahrzeug fernhalten). Meist erschrecken sich Pferde vor Dingen, die urplötzlich leise von hinten herantreten. Hier ist es hilfreich, das Pferd zu wenden und die Gefahrenquelle anschauen zu lassen. Da wir Reiter ja nicht allein im Gelände sind, sondern noch andere Menschen die Natur genießen, sollten wir bedenken, dass manche Menschen Angst vor Pferden haben. Man sollte deshalb an Fußgängern unbedingt im Schritt mit genügend Abstand vorbei reiten. Dabei grüßt der Reiter immer den Fußgänger, auch wenn er diesen nicht kennt.

Es ist sicher keine bewusste Reaktion des einzelnen Fußgängers gegen den jeweiligen Reiter, wenn er ärgerlich wird, sondern vermutlich eher unwillkürlich. Jahrtausendelang war das Reitpferd Symbol des "Herren"! Wer ritt war "oben", war "Herr". Diesen geschichtlichen Einfluss darf man nicht unterschätzen, und überlieferte Begriffe wie "auf dem hohen Ross sitzen" haben auf so manche Menschen zumindest im Unterbewusstsein bis heute ihre Bedeutung beibehalten. Dazu kommen auch oft Neid und Missgunst gegen solche, "die es ja haben." Woher sollen die Leute auch wissen, wie viel Sparsamkeit und eigene Arbeit einem Ausritt vorangehen?
Vor allem zu den Landwirten sollte man ein gutes Verhältnis aufbauen und sie grüßen. Leider ist das Verhältnis zwischen Landwirten und Reitern getrübt, da einige Reiter über die Wiesen der Bauern reiten. Was zum Einen nicht erlaubt und zum Anderen von den Landwirten nicht geduldet wird. Von daher gilt immer, auf den Wegen reiten.


Kommt man direkt an Viehweiden oder Pferdekoppeln vorbei, so sollte man unbedingt im Schritt vorbeireiten. Rinder sind sehr neugierig. Sie sehen vorbeiziehenden Pferden fasziniert zu und ziehen mit. Wenn man schneller reitet, werden die Rinder zum Mitrennen animiert und können leicht Zäune einreißen.

Bei Pferdekoppeln muss man ganz besonders aufpassen, denn manche Pferde, die selten auf der Koppel stehen, regen sich sehr auf. Hier empfiehlt es sich, sich sehr langsam von der Koppel zu entfernen, damit die Pferde nicht in Panik ausbrechen. Auch ein gegenseitiges Beschnuppern der Pferde über den Zaun sollte man vermeiden. Bei dem unausweichlichen Tritt mit dem Vorderfuß kann sich leicht eines der Tiere am Zaun verletzen.

Nun, auch Reiter, die sich im Gelände begegnen, sollten im Schritt aneinander vorbeireiten und erst, wenn man außer Sichtweite ist, in schnellere Gangarten übergehen. Auf keinen Fall sollte man einen in gleicher Richtung reitenden Reiter in einer schnelleren Gangart überholen und ihn so in eine gefährliche Situation bringen. Vor Jahren hatte ich mal eine Begegnung mit solch einem unvernünftigen Reiter. Wir bogen zufällig gleichzeitig auf einen Weg und unterhielten uns schrittreitend. Unvermittelt verabschiedete er sich und galoppierte vom Fleck weg im Renngalopp einen Weg hoch. Ich hatte alle Hände voll zu tun, die Zügel aufzunehmen und mein Pferd daran zu hindern, diesem Irren hinterher zu jagen. Den restlichen Kilometer bis zum Stall legte ich dann "Piaffierender Weise" laut fluchend auf einem schweißnassen Pferd zurück. Nicht nur, dass dieser bescheidend reitende Mensch mich in Lebensgefahr brachte, er hat auch die Arbeit mit meinem Pferd um Monate zurückgeworfen. Solche Ereignisse können traumatisierend sein, vor allem wenn das Pferd sehr sensibel ist. Und man fängt wieder von vorne an, das Selbstbewusstsein des Pferdes aufzubauen. Ein weiteres Beispiel, wie man ein Pferd im Gelände nicht reiten sollte, ist ein "Reiter", der sein Pferd nur am Wochenende geritten hat. Dafür aber ausgiebig. Ohne Rücksicht auf die Gegebenheiten der Wege trabte und galoppierte er eine bestimmte Strecke zu einem See, der als Ausflugsziel sehr beliebt ist, band sein Pferd nach Westernmanier mit den Zügeln am Zaun an, und trank ein Bier. Nachdem er sich von allen als "Reiter" bewundern ließ, ritt er die Strecke im gleichen Tempo zurück und stellte sein Pferd klatschnass in den Stall. Ich nehme an, er hat sich spontan ein Pferd zugelegt, weil er die Westernfilme so toll fand. Aber auch Westernfilme sind nur Filme und die Pferde sind Darsteller. Darsteller, die in jahrelanger Ausbildung lernen, ruhig stehen zu bleiben, wenn sie mit Zügeln angebunden werden. Geübt wird es aber bestimmt nicht mit der Trense. Auch galoppieren sie nicht wirklich ununterbrochen von einer Ranch zur anderen. Selbst gut konditionierte Pferde würden hier außer Atem kommen. Aber wie sie in den Filmen sehen können, kommen die Pferde recht ausgeruht an. Von daher gehe ich davon aus, dass die Filmleute ihre gut ausgebildeten Pferde nicht verheizen und aufpassen, dass sie nicht zu schaden kommen.

Da wir in unseren Regionen leider nicht so einen weichen, sandigen Boden haben wie im wilden Westen, sollten wir Teerwege und unebene Wege grundsätzlich im Schritt reiten. Tiefe, schlammige Wege sollten wenn möglich gar nicht geritten oder auch im Schritt geritten werden. Auch Wege mit einer leichten Abwärtsneigung sollten im Schritt geritten werden. Einen Wiesenweg, den man durchaus hinaufgaloppieren kann, reitet man im Schritt hinunter, da Pferde schon bei einem geringen Neigungswinkel unsicher werden und auch zuviel Last auf die Vorhand kommt. Haben wir eine längere Strecke bergab vor uns, so ist es für`s Pferd wesentlich angenehmer, wenn wir es führen. Auch für den Reiter ist es erholsam, mal kurz die Beine zu vertreten. Zum Führen werden die Zügel vom Hals genommen und die Bügel übergeschlagen. Das Überschlagen der Steigbügel ist sehr wichtig, da sie beim bergab führen noch mehr in Schwingung geraten als auf ebenem Boden und die Steigbügel an den Bauch und an den Ellbogen des Pferdes schlagen.

"Ein Pferd ohne Reiter
ist immer noch ein Pferd

aber ein Reiter ohne Pferd
ist nur ein Mensch.
"

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