Pro Equo BW - Einmal wöchentlich?

Grundsätzliche, tägliche Pflege

Nachdem wir das Pferd ordnungsgemäß am Putzplatz angebunden haben, können wir mit dem Putzen beginnen. Um ein Pferd wirklich gründlich putzen zu können, sollte man viel Zeit zur Verfügung haben.
Wir beginnen an der linken Halsseite mit dem Striegel. Dabei wird das Pferd vom Hals bis zur Kruppe mit leichtem Druck und mit kreisenden Bewegungen aufgestriegelt. Es ist darauf zu achten, das Pferd immer mit dem Fell zu putzen und nicht, wie es oft zu sehen ist, gegen den Strich. Zwischendurch wird der Striegel, wohlgemerkt am Boden und nicht an der Wand, ausgeklopft. Im Fachhandel sind verschiedene Striegel erhältlich.

Gummistriegel, Plastikstriegel, Eisenstriegel.

Die Eisenstriegel werden heute kaum noch benutzt, da sie einfach zu hart sind. Andererseits sind sie aber zum Abstreifen der Bürsten vorteilhafter als die anderen Striegelarten. Der Gummistriegel eignet sich vor allem bei dünnen und schlecht bemuskelten Pferden. Ich persönlich finde allerdings, dass viele Gummistriegel zu sehr radieren und ziepen. Daher empfehle ich den Plastikstriegel zum Aufstriegeln und den Eisenstriegel zum Abstreifen der Bürsten. Welchen Striegel sie auch nun bevorzugen, ihr Pferd wird nicht sauberer, indem sie mit viel zu starkem Druck und ruckartigen Bewegungen arbeiten. Dadurch reibt man nur die Pferdehaut wund. Beobachten sie mal die anderen Reiter beim Putzen. Oftmals drücken die Pferde den Rücken weg oder trippeln hin und her, um dem Druck auszuweichen. Wenn ihnen das beim Putzen auch passiert, dann schreien sie weder ihr Pferd an, noch geben sie ihm einen Klaps mit der Hand. Ändern sie ihre Putztechnik! Versuchen sie das Pferd mit leichtem Druck gleichmäßig aufzustriegeln und beobachten sie die Mimik (Gesichtsausdruck) ihres Pferdes. Viele Pferde mögen es besonders wenn man sie am Widerrist grault, andere am Bauch. An den bevorzugten Stellen können sie dann ruhig etwas ausgiebiger putzen. Meist strecken die Pferde hierbei Hals und Kopf nach vorne und machen die Oberlippe lang ("Putzgesicht"). Sie bringen so ihr Wohlbefinden zum Ausdruck, es dürfen nur die bemuskelten Teile des Pferdes aufgestriegelt werden. Kopf und Beine also auf keinen Fall mit dem Striegel putzen!

Haben wir das Pferd auf beiden Seiten aufgestriegelt, nehmen wir die Wurzelbürste in die linke, den Striegel (Eisenstriegel) in die rechte Hand. Wir beginnen wieder an der linken Halsseite, die Haare glatt zubürsten, wobei die Bürste immer wieder am Striegel abgestreift und dieser am Boden ausgeklopft wird. Mit der Wurzelbürste können wir jetzt auch die Beine putzen Sie dürfen schon das ganze Bein bürsten und nicht nur vorne kurz drüberfahren. Innen- und Außenseite also nicht vergessen, auch bei den Hinterbeinen.! Der grobe Schmutz ist nun entfernt.

Die gleiche Prozedur wollen wir jetzt noch mit der Kardätsche (weiche Bürste) wiederholen, um den feinen Staub zu beseitigen. Beim Putzen des Kopfes ist es sinnvoll, das Halfter abzunehmen und es um den Hals zu streifen (sofern sie aufpassen, dass das Pferd nun nicht unbeaufsichtigt bleibt. Es könnte den Kopf herunternehmen und sich dann ins Halfter treten.)

Der Kopf wird entweder mit der Kardätsche oder einer sog. Kopfbürste, einer kleinen Kardätsche mit dem Fellstrich gebürstet. Sie sollten dabei besonders behutsam und ruhig vorgehen. (Vor allem um den Bereich der Augen sehr vorsichtig sein). Für ausgiebiges Putzen an der Unterseite des Kopfes (Kehlgang) sind Pferde meist sehr dankbar, da sie diesen Bereich beim Scheuern oder Kratzen schwer selbst erreichen können. Die Ohren können, wenn es das Pferd zulässt, mit der Kardätsche ausgebürstet werden. Hierzu hält man die eine Hand ans "Hinterohr" und bürstet mit der anderen in langen Strichen von unten nach oben zur Ohrspitze hin. Sind sie mit dem Kopf soweit fertig, legen sie das Halfter bitte gleich wieder an.

Nun kämmen wir die Mähne und den Schopf (die Haare an der Stirn) mit einer Haarbürste durch. Je nach Länge der Mähne kann es mehr oder weniger aufwendig sein. Mein Pony hat eine sehr lange und dichte Mähne. Hier ist es ratsam, Strähne um Strähne von unten nach oben durchzukämmen, um nicht zu viele Haare auszureißen. Ist man mit der Haarbürste fertig, kann man mit der Wurzelbürste noch einmal kurz über die Mähne fahren um Staub und überschüssiges Fett auszubürsten.

Beim Schweif sollte nur die Schweifrübe durchgebürstet werden Der Schweif selbst sollte nur verlesen werden, d.h. man nimmt immer eine Haarsträhne in die Hand und entwirrt mit der anderen die Knoten aus dem Schweif. Hierbei ist darauf zu achten, dass man die Haarknoten nach unten hin entwirrt und nicht noch oben hin "toupiert". Das Haare- Verlesen dient dem Zweck, nicht zu viele Haare herauszureißen. Dies ist wohl auch sinnvoll, wenn man bedenkt, dass ein Haar ca.7 Jahre braucht, um auf die normale Länge nachzuwachsen. Natürlich ist diese Art der Schweifpflege sehr zeitintensiv, was wohl der Grund dafür ist, weshalb dies die wenigsten Reiter so handhaben. Ich nehme wie bei der Mähne auch Strähne für Strähne und kämme mit einer Haarbürste von unten nach oben, wobei ich die Strähne mit der anderen Hand gut festhalte. Die Mähne und den Schweif können sie auch ab und zu (ca.1x wöchentl.) mit einem Schweifspray behandeln, so lassen sich die Knoten leichter auskämmen. Die Marktlücke "Haarbürste" wurde seltsamerweise noch nicht geschlossen, von daher können sie diese getrost im Drogeriemarkt um die Ecke kaufen.

Wenn sie dem Ganzen einen krönenden Abschluss geben wollen, können sie ihr Pferd noch mit einem Wolllappen abreiben. Dadurch glänzt das Fell noch schöner. Jetzt benötigen sie zwei verschieden farbige Schwämme für Augen/Nüstern bzw. Geschlechtsteile/After. Um den Gesichtsbereich zu reinigen, nehmen wir einen hellen leicht feuchten Schwamm. Wir beginnen mit den Augen und reinigen diese indem wir einfach einmal um sie herum streichen. Dann sind die Nüstern dran: Einmal leicht ausreiben. Mit einem zweiten dunklen Schwamm (um Verwechslungen auszuschließen), reinigen wir jetzt die Geschlechtsorgane. Dabei wird die Schweifrübe etwas zur Seite hochgehoben, damit sie den After und gegebenenfalls die Scheide abwaschen können. Bei der Scheide sollten sie darauf achten, dass sie nur die Scheidenaußenwände abwaschen, damit keine Fäkalienpartikel durch zu gründliches Waschen in die Scheide eindringen können. Bei Stuten sollte außerdem ab und zu der Zwischenraum des Euters gewaschen werden. Hierzu sollte jedoch zuerst mit den Fingern der grobe Schmutz entfernt werden, der aus einer übelriechenden schwarzen Gerinnsel besteht. Erst dann kann das Euter mit einem Schwamm und lauwarmem Wasser gewaschen werden. Die schwarzen Dreckgerinnsel finden wir auch am Schlauch des Wallachs. Leider ist der Schlauch wesentlich schwieriger zu reinigen, da die Wallache diesen nicht ohne weiteres heraushängen lassen. Wenn doch, so können sie ähnlich vorgehen wie beim Waschen des Euters bei den Stuten. Entfernen sie aber wirklich nur die schwarze Gerinnsel (fettige Paste). Oftmals sind vermeintliche Hautfetzen doch noch mit der dünnen Haut des Schlauches verbunden. Wenn sie diese nun abziehen, kann es zu kleinen Verletzungen kommen. Daher sollten sie nicht zuviel am Schlauch herummanipulieren. Auch ein An/Abspritzen des Schlauches mit kaltem Wasser ist keine so gute Idee. Bei Wallachen die ihren Schlauch nicht reinigen lassen, muss bei starker Verkrustungen des Schlauches der Tierarzt hinzugezogen werden. Dieser erreicht durch eine leichte Sedierung (Narkose), dass der Wallach den Schlauch heraushängen lässt und kann ihn so mit einer milden, warmen Waschlösung abwaschen. Manchmal klemmt sich auch beim Liegen ein Strohhalm in die "Schlauchtasche". Die wiederum kann man selbst langsam und vorsichtig herausziehen. Die Schwämme sollten des öfteren heiß ausgewaschen und halbjährig erneuert werden, da sich in den Schwämmen Bakterien und Viren einnisten und ausbreiten können. Oder sie kaufen sich gleich Babywaschtücher, die gibt es dann auch im Drogeriemarkt.

Ist es ihnen aufgefallen, ich bin davon ausgegangen, dass sie wissen, wie man Hufe auskratzt, ganz wie in ihrer Reitschule. Also sorry!

Wir beginnen wieder auf der linken Seite und stellen uns parallel (mit unserem Rücken zum Pferdekopf in Blickrichtung Kruppe) zum linken Vorderbein des Pferdes streifen mit der Hand am Vorderbein hinunter bis sie am Fesselkopf angekommen sind und sagen "Fuß". Meist geben die Pferde den Fuß schon von allein. Nun greifen sie mit der Hand noch ein Stück vor, so dass diese zwischen Fesselkopf und Huf zu liegen kommt. Der Huf sollte nun nicht mehr abkippen, aber auch nicht nach oben gebogen werden. Nun können sie mit der anderen Hand, in der sich hoffentlich der Hufauskratzer befindet, den Huf säubern. Die seitlichen Strahlfurchen bekommen sie schneller und schonender sauber, wenn sie von der Strahlspitze in Richtung der weiten Stelle auskratzen. Achten sie darauf, dass sie nicht zuviel mit dem Hufauskratzer an der Sohle herum scharren, sondern drehen sie ihren Hufauskratzer am Schluss herum und bürsten die Sohle ab. Bei den Hinterbeinen sollten sie mit der Hand von der Kruppe her am Bein entlang, und nicht wie man es oft sieht, einfach ans Röhrbein greifen. Ziehen sie den Hinterhuf relativ weit nach hinten heraus und stützen sie den Fuß auf ihrem Oberschenkel ab. Ihr anderer Fuß sollte, schräg versetzt, ein Stück nach hinten ihrem Körper Halt geben. So kann das Pferd, wenn es ruckartig den Huf wegzieht, sie nicht umwerfen. (Meist wehren sich Pferde, wenn der Fuß zu hoch gehoben wird, und sie sich nicht mehr ausbalancieren können). Nun wieder eine Bitte an sie: Lassen sie die Hufe nach dem Auskratzen nicht einfach plötzlich los, sondern kündigen sie es dem Pferd mit einem "Ab" an. Nun haben wir das Pferd wirklich ausgiebig geputzt. Soviel Zeit kann man sich meist nicht jeden Tag nehmen.

Unter Zeitdruck ist es also völlig in Ordnung, das Waschen von Gesichts- und Geschlechtsteilen sowie das Kämmen des Schweifes wegzulassen.

Heute können sie auf jeden Fall mit gutem Gewissen ihr Pferd zur Reitstunde satteln. Und eine "Runde" müssen sie heute bestimmt auch nicht zahlen. Haben sie gewusst, das jeder eine "Runde" Schnaps an alle Mitreiter ausgeben muss, dessen Pferd noch Stroh im Schweif hat? Also immer schön kontrollieren!

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