Pro Equo BW - Das Anbinden

Das Anbinden

Eigentlich sollte das Pferd immer am Putzplatz geputzt werden, d.h. außerhalb seiner Box. Das hat verschiedene Gründe: wenn wir in der Box putzen, fallen die losen Haare in die Einstreu. Vor allem während des Fellwechsels im Frühjahr kann es bei der Aufnahme von Haarbüscheln in der Einstreu u.a. zu Hustenreiz kommen. Auch werden sie ihren Striegel irgendwo abklopfen müssen und wie alle die Boxenwand dazu benützen, an der sich das Pferd nachher ganz bestimmt die juckende Nase reiben will. Zu guter Letzt vergessen sie ihre nagelneue Kardätsche in der Futterraufe und finden sie am nächsten Tag mit kreisrundem Haarausfall und leicht vernagt auf der Stallgasse liegen, (Ist ihnen das nicht auch schon passiert?). Außerdem sind die Pferde in der Box immer auf Futtersuche und laufen umher oder streiten sich mit dem Nachbarpferd, das gerade aus einer Super- Knistertüte ein paar Zuckerstücke bekommt, und sie stehen zwischen den Streithähnen. Nein, in der Box zu putzen ist gar keine gute Idee!

In den meisten Ställen ist es ein ungeschriebenes Gesetz, vor dem Verlassen der Box, die Hufe auszukratzen um die Stallgasse nicht unnötig zu verschmutzen. Bei einem Pferd mit unausgekratzten Hufen fällt das sicher nicht so auf, aber wenn ca.zehn Pferde ihren Mist gleichmäßig auf der Stallgasse hinterlassen, sieht es aus als wäre die Stallgasse heute noch nicht gefegt worden. Also, Hufe auskratzen und das Pferd mit Stallhalfter und Strick zum Putzplatz führen. Entweder sind nun schon Stricke mit Panikhaken am Putzplatz vorhanden oder sie binden ihr Pferd mit dem Strick an, mit dem sie es geführt haben. Nun sind wir an einem Punkt angelangt, an dem meiner Meinung nach die meisten Unfälle für Mensch und Pferd entstehen! Binden sie ihr Pferd zu kurz an, bekommt es Panik und hängt sich ins Halfter. Das gleiche passiert wenn der Strick zu lang ist und es den Strick somit über das Genick bekommt. "Es hängt sich ins Halfter" heißt: es zieht mit aller Gewalt und durch seitliche Bewegungen mit dem Kopf am Strick, um sich dem Druck durch das Halfter am Genick zu entziehen. Es kann hierbei zu schweren Verletzungen kommen. Reißt der Strick fällt das Pferd, weil der Zug abrupt beendet wurde, auf die Stallgasse. Reißt der Strick nicht so schnell, bäumt sich das Pferd auf; versucht also durch Steigen dem Druck zu entgehen. Das Ganze spielt sich in Sekundenschnelle ab, so dass man meist nicht reagieren kann, es sei denn, man gerät des öfteren in solche Situationen und ist dementsprechend vorbereitet. Wenn man nicht wirklich sicher ist, was man zu tun hat und das Pferd nicht näher kennt, kann ich nur raten: gehen sie so weit und so schnell wie möglich außer Reichweite des Pferdes, und behalten sie Ruhe. Schreien sie nicht und unternehmen sie auch sonst keine abenteuerlichen Versuche dem Pferd zu helfen. Meist geht es ohne Hilfe glimpflicher aus, als wenn alle schreien und herumfuchteln. Bei mir stand einmal ein Pensionspferd, das sich bei jeder Gelegenheit ins Halfter hängte, weil es grundsätzlich zu lang angebunden war und den Strick über das Genick bekam. Manche Pferdebesitzer werden eben nicht mal aus Erfahrung klug. (Manchmal konnte ich ihm, wenn ich zufällig beim Fegen war, mit dem Besen vorsichtig einen Klaps auf den Hintern geben um zu verhindern das er den hundersten Strick zerriss und sich übel auf den Hintern setzte). Auf keinen Fall darf man in dieser Situation versuchen, den Panikhaken zu lösen. Zum einen fällt das Pferd dann erst recht auf den Boden oder, nicht auszudenken, es springt ihnen in der Panik direkt in die Arme.

Um dem "Stricke- zerreißen" entgegenzuwirken, gibt es seit Neustem extra stabile Stallhalfter mit nicht zerreißbarem Strick. Nun hängt das arme Pferd am Strick und kommt nicht los, ist vor lauter Panik mit den Hinterbeinen weggerutscht und hängt da wie ein Häufchen Elend und bricht sich zu guter Letzt noch das Genick. Manche Marktlücken sollte eben eher eine Marktlücke bleiben. Da kaufen sie sich lieber ein paar normale Stricke mehr. Oftmals ist es hilfreich, solche Panikpferde seitlich links und rechts am Halfter anzubinden. Hierbei kann man ihnen etwas mehr Freiheitsmöglichkeiten geben. Dennoch gilt immer, Pferde, die angebunden werden, (Pferdehänger, Putzplatz, etc.) an einem Strick mit Panikhaken anzubinden. (Bei leichten Zwischenfällen -es kommt darauf an die Situation richtig einzuschätzen- kann dieser Panikhaken, im Gegensatz zu anderen Haken, auch bei Zug geöffnet werden).

Pferde sollten auch wirklich nur an dafür vorgesehene Putzplätze oder festen Gegenständen angebunden werden. Zu den nicht festen Gegenständen zählen unter anderem Boxentüren oder Stalltüren. Ich weiß von einem Pferd, das eine große massive Stalltüre aus den Angeln nahm und mit dieser massiven großen Türe über den Hof rannte. Danach war der Tierarzt einige Zeit damit beschäftigt, den Wallach wieder zusammenzuflicken. Die Tür war so massiv und, grotesker Weise mit einem Anbindering versehen, dass man der Pferdebesitzerin eigentlich keinen Vorwurf machen konnte. Ich hätte auch nicht geglaubt, dass ein Pferd solch eine Kraft entwickeln kann. Sie können sich nun selbst denken, dass die normalen Schiebetüren durch ein leichten Ruck aus der Führung springt und ihr Pferd sich schwer verletzen kann.
Erst vor kurzem erzählte mir eine Bekannte, die seit zwanzig Jahren reitet, dass sie ihr 20 j. Pflegepferd nur einen Augenblick an einer Holzeinzäunung anbinden wollte. Das Pferd riss sich los und rannte mit der Latte, die an die Vorderbeine schlug, über den Hof. Ja, man lernt eben wirklich nie aus!

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