Pro Equo BW - Einmal wöchentlich?

Einmal wöchentlich?

Ein Großteil der Schulpferdereiter erscheint meist zehn Minuten vor der Reitstunde, putzt das zugeteilte Pferd, wenn überhaupt, oberflächlich mit einer Bürste und lässt sich beim Satteln helfen. Nach der Reitstunde sattelt er das Pferd evtl. noch ab, falls es in der nächsten Reitstunde nicht mitläuft. Aber meistens wird es noch vom nächsten Reiter übernommen.

Und das jahrein - jahraus. Ich schätze bei 90% aller Schulpferde-Reiter ist das so. Aber warum eigentlich? Der Ein oder Andere hatte am Anfang sicher Interesse, alles rund ums Pferd zu lernen. Er kam deshalb zuerst auch immer eine halbe Stunde vor der Reitstunde und wollte sein Pferd für die heutige Reitstunde putzen und satteln. Doch welches Pferd wird er heute wohl reiten? Der Reitlehrer ist noch nicht da und im Reitbuch ist noch nichts eingetragen. Sie fragen die Jugendlichen, die eifrig ihre Lieblingspferde (Patenpferde) putzen, ob sie helfen dürfen? Doch die weisen sie nur ab, schließlich sind das "ihre Pferde" und werden von "einmal in der Woche" - reitenden Reitern abgeschirmt. Denn "Die haben doch keine Ahnung". Und eigentlich stimmt das ja auch! Aber sie bleiben stur, schließlich sind sie extra früher erschienen und fragen: "Soll ich ein anderes Pferd putzen?" Doch sie bekommen die Antwort: "Princess und Wotan gehen noch in der Anfängerstunde mit, aber die werden vom Lehrling drüber geputzt und gesattelt. Die beißen, da können sie sowieso nicht in die Box." Kurz vor der Reitstunde: sie unterhalten sich in der Zwischenzeit mit ihren Mitreitern, die nun auch aufgetaucht sind, wer wohl wen heute reitet und alle haben schon etwas Lampenfieber. Da erscheint der Reitlehrer wieder knapp vor der Reitstunde. Er teilt die Pferde ein und die Hektik beginnt: " Los Leute, sattelt die Pferde, wir sind spät dran." Die Jugendlichen und der Lehrling übernehmen das Satteln, helfen ihnen und den anderen in der Reithalle noch auf die Pferde und die Reitstunde beginnt:" Absatz tief, Hände ruhig tragen." Nach der Reitstunde nimmt ihnen wieder einmal jemand das Pferd ab, sei es der Lehrling oder der nächste Reitschüler. An dieser Stelle möchte ich ein riesengroßes Lob an alle Jugendlichen aussprechen, die sich mit großem Eifer und Engagement um die Pferde kümmern und sich für die Pferde einsetzen. Ohne den Einsatz dieser Jugendlichen müsste mancher Betrieb nämlich sein Personal aufstocken. Nicht nur, dass sie Ihnen ihr Pferd absatteln, das machen sie nebenher, meist kümmern sie sich rührend um ihre Patenpferde. Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, warum diese Jugendlichen ihnen die Pferde absatteln?

Nein, nicht nur, weil Sie so nett sind, sondern, weil Sie es ihnen nicht zutrauen! Ach, so schwer wird das doch nicht sein! Nein, ist es auch nicht, aber lernen muss man es, wie man alles erst lernen muss! Und in Anbetracht dessen, dass wir es mit einem Lebewesen zu tun haben, ist es um so wichtiger, sich Mühe zu geben und alles rund ums Pferd zu lernen, bis wir eine gewisse Routine erlangt haben. Letztendlich ist das notwendig, damit wir auch in Gefahrensituationen richtig reagieren oder diese sogar vermeiden können. Nun aber weiter im Text! Warum gehen Sie nicht einfach mit und lassen sich zeigen, wie man absattelt?

Richtig, weil Sie entweder ein erwachsener Reiter sind und sich von einer 15 jähr. Rotznase nichts erklären lassen wollen, oder weil ein Kind solch ein Respekt vor einer 15 jähr. hat, dass es sich nicht traut, etwas zu fragen. Und warum zeigt einem das nicht der Reitlehrer? Ja, weil der in der Reithalle steht und die nächste Reitstunde gibt. Doch wie soll man dann das ganze Drum und Dran lernen? Zunächst einmal jedenfalls nicht, indem man nur einmal in der Woche zum Reiten kommt. Besuchen Sie ihren Reitstall so oft wie möglich und halten sie die Augen und Ohren offen. Integrieren Sie sich bei den Reitern und verbringen Sie trotzdem mehr Zeit im Stall und der Reithalle als im Reiterstüble (was eine Kunst für sich ist und viel Disziplin von einem abverlangt). Beobachten Sie andere Reiter, wie sie mit ihren Pferden umgehen! Überlegen Sie was macht er gut, was könnte man anders machen. Denken Sie hierbei auch an die vielen Gefahrenquellen, die für das Pferd überall lauern! Beobachten Sie die Pferde im Stall! Welches hat ein mattes, welches ein glänzendes Fell? Was füttert der Stallbesitzer, was füttert der eine oder andere Pferdebesitzer zusätzlich dazu? Warum wird das eine Pferd mit Ausbindern geritten und das andere mit Dreieckszügeln? Fragen Sie nach! Auch wenn Sie sich jetzt schon sicher sind, dass Sie nie ein eigenes Pferd haben werden, sei es aus zeitlichen oder finanziellen Gründen. Wobei die zeitlichen Gründe meist überwiegen, wenn man bedenkt, dass man sich mindestens zwei Stunden tägl. für sein Pferd Zeit nehmen sollte. Auch Sonntags! Man braucht kein eigenes Pferd zu haben, um ein guter Pferdemann zu sein, und die wenigsten die ein Pferd haben sind Pferdemänner. Warum?

Das werden Sie im Laufe ihres Lebens mit Pferden noch selbst herausfinden.

Aber weshalb sich dann die Mühe machen, das kleine 1x1 der Reiterei zu lernen? Wollen Sie sich denn jetzt immer das Pferd satteln lassen? Nein, das kleine 1x1 der "Reiterei" sollten Sie schon im Schlaf aufsagen können. Vielleicht ergibt sich auch mal eine Reitbeteiligung, und dann? Sagen wir, der Besitzer möchte, dass Sie das Pferd nach dem Reiten noch grasen lassen oder auf die Koppel bringen oder Sie sollen die Hufe waschen, oder Sie kommen in den Stall und das Pferd hat eine Kolik. Das sind wahrscheinlich alles Dinge, die Sie noch nie machen mussten oder mit denen Sie sich noch nie auseinander gesetzt haben. Woher sollten Sie es auch wissen? In den meisten Büchern steht nur trockene Theorie. Und vor Ort, in der Praxis, sieht das Ganze noch einmal anders aus. Viele vergessen, dass jedes Pferd ein Individuum ist und seine Eigenheiten hat. Aus diesem Grunde werde ich auch immer wieder auf Unfallverhütung und Gefahrenvorbeugung zurückkommen. Die Reitlehrer sind meist mit Reitstunden und Berittpferden ausgelastet und wollen sich auch nicht mit "Kleinigkeiten" aufhalten und die Lehrlinge kommen ohnehin schon auf dem Zahnfleisch daher. Zeit ist Geld.

Aber vielleicht wäre es dennoch möglich, ein Theorieseminar über mehrere Wochenenden anzubieten, um wenigsten auf diese Art und Weise Grundkenntnisse über Pflege und Haltung zu vermitteln; ähnlich wie bei einem Reitabzeichen-Lehrgang, nur intensiver und mit wesentlich mehr praktischen Übungen am Pferd. Sprechen Sie Ihren Reitlehrer doch einfach mal darauf an. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich an eine ganz bestimmte Pferdebesitzerin zu wenden, die es in jedem Reitstall gibt. Sie ist den ganzen Tag im Stall und umsorgt ihr Pferd. Dabei sieht man sie mehr am Pferd, beim Putzen oder in der Box beim Ausmisten oder bei der Lederpflege. Und man fragt sich manchmal, was tut die eigentlich immer noch im Stall? Genau die Person fragen Sie, ob sie bereit wäre ein Seminar abzuhalten. Wahrscheinlich ist das sogar die bessere Adresse, weil sie sicher einiges von Pferden versteht und sich ganz bestimmt in der Pflege von Pferden auskennt. Vermutlich freut sie sich darüber, dass endlich einmal jemand auch Interesse an den Grundkenntnissen wie Pferdepflege zeigt und nicht nur reiten möchte. Erklärt sich die Pferdebesitzerin bereit, ein Seminar abzuhalten, sollte dies auf gar keinen Fall über den Kopf des Reitlehrers hinweg stattfinden. Fragen Sie ihn, ob er damit einverstanden wäre!

Ich finde, eine gute Reitschule zeichnet sich auch in der schrittweisen Ausbildung von Reitanfängern aus. Und die fängt bei den Longestunden an. Dabei kann sich der Reiter ganz auf die Bewegungen des Pferdes konzentrieren, da der Ausbilder das Pferd an der Longe hält und so das Gangmaß des Pferdes regulieren kann. Beim Reiten in der Abteilung müssen Sie ihr Pferd "lenken", das Gangmaß regulieren (bevor sie überhaupt wissen, was halbe Paraden sind) und gleichzeitig auf Ihren Sitz achten. Sorry, aber da sind die meisten ganz schön im Stress! Und alles auf Kosten (dem Rücken) ihres Pferdes. Es ist gar nicht möglich, dass man jetzt schon die Hände ruhig halten kann, im Gegenteil, man zieht sich an den Zügeln hoch. Der Sitz ist zu Beginn der Ausbildung, sagen wir mal, unruhig und Sie plumpsen dem Pferd des öfteren in den Rücken. Natürlich machen Sie das nicht absichtlich; und wahrscheinlich ist es Ihnen jetzt auch etwas unangenehm, dass ich Sie darauf anspreche. Ich will ihnen persönlich auch keinen Vorwurf machen. Schließlich war ihr Reitlehrer der Ansicht dass Sie nach ihren fünf Longenstunden soweit sind, in einer Reitstunde mitzureiten. Aber warum? Der finanzielle Aspekt steht wieder im Vordergrund. Viele erwachsene Reitanfänger würden vermutlich ziemlich schnell wieder abspringen, wenn sie ihr Pferd nicht selbst "beherrschen" dürften. Man kommt sich ja so unfähig vor, wenn man an der Longe reitet. Auch kann der Reitlehrer durch eine Reitstunde, in der viele Reitschüler auf einmal reiten, wesentlich mehr verdienen, als wenn er eine Longestunde abhält. Aber je mehr Longenstunden ein Reitschüler absolviert, umso ausbalancierter und unabhängiger (von der Reiterhand) ist der Sitz. Eigentlich eine absolute Grundvoraussetzung, um überhaupt ein Pferd zu reiten. In der Wiener Hofreitschule werden die auszubildenden Rittmeister bis zu ca. einem Jahr an der Longe ausgebildet. Und die konnten bestimmt vorher schon reiten und waren keine blutigen Anfänger. Diese langwierigen Sitzübungen haben sicher dieses Verwachsen sein und die Harmonie mit dem Pferd erst ermöglicht, welche uns bei der Wiener Hofreitschule so fasziniert. Also achten Sie darauf, dass Sie viele Longestunden absolvieren. Und auch für Reiter, die schon länger dabei sind ist es sinnvoll, ab und zu ihren Sitz an der Longe verfeinern zu lassen.

Eine gute Reitschule zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie regelmäßig (einmal in der Woche) einen Ausritt für fortgeschrittene Reiter anbietet. Ausritte gehören einfach zur Grundausbildung jedes Reiters dazu, da sich viele Reiter später zum Einen im Freizeitbereich integrieren und zum Anderen jeder Pferdebesitzer seinem Pferd auch die Möglichkeit geben sollte, sich im Gelände von der alltäglichen Arbeit zu erholen. Da man im Gelände auch einige Regeln zu befolgen hat und das Reiten im Gelände ganz andere Anforderungen an den Reiter stellt, ist es eine wichtige und unverzichtbare Aufgabe des Reitlehrers seine Reitschüler im Gelände zu schulen. Ein wöchentlicher ruhiger Ausritt ist auch für die physische und psychische Gesunderhaltung des Pferdes ein nicht außer Acht zu lassender Aspekt. Ein weiterer Punkt bei der Auswahl der Reitschule ist auch die Unterbringung (helle, gut belüftete Stallungen) und Versorgung (kein schimmliges o. unzureichendes Futter) der Pferde. Obwohl gerade die Lehrpferde mehrere Stunden am Tag in der Reitstunde laufen, ist meist gerade ihre Ausrüstung (Sattel/Trense) in einem ungepflegten und mangelhaften Zustand, ihre Boxen nur unzureichend mit Stroh eingestreut oder sie müssen gar mit Sattel/Gurtdruck oder lahm in der Reitstunde mitlaufen. Auch wenn Koppeln zur Verfügung stehen, bleiben diese meist den Privatpferden vorbehalten, obwohl es gerade für die Schulpferde wichtig wäre, sich nach stundenlangem "im Kreislaufen" von der Arbeit zu erholen.

<< Das Reiten der Unbelehrbaren | Und vielleicht doch ein eigenes Pferd? >>